Kinder gucken anders, sehen auch anderes. Immer müssen sie nach oben schauen, um (Groß-)Eltern zu sehen. Oder sie werden auf den Arm genommen – und sind plötzlich ganz neuen Eindrücken ausgesetzt, die verstanden, verarbeitet werden wollen.

Etwa so: "Manchmal schau ich, / wenn ich kann, / mir Opas Augenbrauen an. / Von Nahem sehn sie aus wie Heu, / riesengroß und nicht ganz neu. / Sie trocknen schon seit Jahren: / Ein Bauernhof aus Haaren."

Oma wird mit derselben grausam-zärtlichen Genauigkeit ins Bild gesetzt, zu der nur Kinder fähig sind: "Oma hat / lauter Runzeln – / Linien, die weiterschmunzeln / wenn sie selbst schon nicht mehr lacht."

Wer schreibt so was? Natürlich ein Lehrer. Er geht von morgens bis abends mit Kindern um, sieht und hört ihnen zu – und spürt eine Bereicherung. Edward van de Vendel, 1964 in Leerdam geboren, war Lehrer an einer Grundschule, bevor er von Kindern so viel gelernt hatte, dass er meinte, er sollte deren Weisheiten besser als Schriftsteller verbreiten. 1996 erschien sein erster Gedichtband für Kinder. Nur Kinder? Seither sind mehr als 25 Bilderbücher entstanden, Gedichtbände, "Erstlesebücher" und Bücher für Jugendliche. Und wie das so geht mit (vermeintlichen) Kinderbüchern oder (anscheinend "nur") Büchern für Erwachsene: Wenn sie gelingen, werden sie von Alt und Jung verschlungen. Ein Glück!

Wer einmal mit Kindern nach dem Regen spazieren gegangen ist, kennt die Freude der Menschen-Fische, ins Wasser zurückzukehren: "Kuck mal / wessen Kuddel-Schmuddelfüße / patschen denn da in die Pfütze? / Kuck mal / die von mir /und kuck mal meine Mütze / Kuck mal meine Socken / meine Jacke mein Gesicht / ist alles ziemlich zugedreckt / und ich soll doch nicht…" Und als der erschöpfte Vater kommt, die einzig richtige Erklärung: "Mann / die Pfütze war’s / sie ist mir auf den Kopf gesprungen / ja so war es doch."

Dieser weise Poet bringt alles wieder ins Lot. Natürlich machen Kinder Dreck. Und die Erwachsenen? So viel können Kinder gar nicht aufwischen.

Hier ist, zum ersten Mal mit seinen Gedichten auf Deutsch, zu entdecken: ein seltsames Talent fröhlicher Generationen-Verpfützung. Zwanzig, dreißig Jahre Unterschied? Nicht so schlimm: Zuhören! Es wird nicht alles gut: Aber kann besser werden! Vor allem, wenn ein Verlag sich zu dem Wagnis entschließt, eine Reihe von illustrierten Gedichten zu eröffnen mit den Rätselgedichten von Karlhans Frank Im Eigelb steckt der Igel und eben van de Vendels Superguppy.