Wer künftig einen Urlaub bucht, muss mit Überraschungen rechnen. Die Reise könnte teurer sein als erwartet. Denn seit diesem Monat gilt eine Gesetzesänderung, die Reiseveranstalter seit Jahren gefordert haben: Sie dürfen jetzt die Preise, die in ihren Katalogen stehen, nachträglich erhöhen – der gedruckte Preis ist nicht mehr als ein Richtwert.

Die neue Regelung ermöglicht es den Anbietern, flexibel zu bleiben. Ist etwa ein Reiseziel besonders beliebt, können sie Hotelbetten oder Flüge nachkaufen. Sind diese zwischenzeitlich teurer geworden, dürfen sie die Mehrkosten an die Kunden weitergeben. Auch wenn der Wechselkurs schwankt, darf der Preis angepasst werden. Die einzige Bedingung: Im Katalog muss ein Hinweis stehen, dass der angegebene Preis sich noch ändern kann. Bisher waren lediglich Abweichungen nach unten erlaubt. Die Veranstalter mussten die Katalogpreise einhalten.

Peter Fankhauser, Vorstandsvorsitzender der Thomas Cook AG, erhofft sich von der Verordnung, mit neuen Anbietern besser konkurrieren zu können, "vorrangig mit solchen, die im Internet aktiv sind". Bislang fühlten sich die Veranstalter gegenüber Onlineportalen und Hotels benachteiligt, die ihre Preise je nach Marktlage anheben oder senken können.

Weniger erfreulich ist die neue Verordnung für Urlauber. Verbraucherschützer fürchten, dass mancher Kunde mit Lockpreisen geködert wird, die er dann gar nicht erhält. "Die Novelle öffnet dem Missbrauch Tür und Tor", sagt Sabine Fischer, Juristin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Sie vermutet zudem, dass die Veranstalter nur höhere Kosten an die Kunden weitergeben – nicht aber gesunkene.

Auch Ronald Schmid, Rechtsanwalt und Reiserechtler an der Technischen Universität Dresden, ist skeptisch: "Der eine oder andere Veranstalter könnte die Möglichkeit nutzen, den Preis auch aus anderen Gründen als den zulässigen nachträglich zu erhöhen." Zum Beispiel dann, wenn sich der erwartete Betriebsgewinn nicht einstellt. "Das wäre zwar unzulässig", sagt Schmid. "Aber wie soll der Kunde dem Veranstalter das nachweisen?"

Allzu große Sorgen müssen sich Urlauber dennoch nicht machen. Eine Regel nämlich gilt nach wie vor: Hat der Kunde den Vertrag unterzeichnet, ist der Preis verbindlich. Auch ist es unwahrscheinlich, dass namhafte Veranstalter massenhaft Lockangebote verbreiten. Schließlich gefährden sie so ihr Image und verprellen Stammkunden. Das aber können sie sich angesichts des scharfen Wettbewerbs auf dem Reisemarkt nicht leisten.

Unklar ist, wann die Novelle erstmals greift. Die Kataloge für den nächsten Sommer sind längst auf dem Markt, und sie enthalten noch nicht den vorgeschriebenen Hinweis auf das neue Modell. Bei Veranstaltern, die nur einmal im Jahr ihre Preise veröffentlichen, wird der Vermerk wohl erstmals im Winter 2009/10 in den Katalogen zu lesen sein. Anders bei TUI und Thomas Cook, die zu ihren Katalogen zwei Preislisten herausgeben – eine für die Frühbucher und eine zweite, die für die Sommerkataloge 2009 ab Februar gilt. Diese zweite Liste werde "den Preishinweis enthalten", sagt TUI-Pressesprecher Michael Blum. Ähnlich äußert man sich bei Thomas Cook.