Barack Obama nach einem Besuch des Weißen Hauses im Jahr 2005. Damals durfte er noch nicht ins Oval Office

Vor ein paar Tagen hat Thomas Demand das Oval Office abreißen lassen. Eigentlich sollte es schon früher dran glauben, aber er ließ sich mit der Zerstörung dann doch noch ein wenig Zeit. Mit 15 Helfern hatte er in dreieinhalb Wochen das Machtzentrum des amerikanischen Imperiums nachgebaut, in seinem Atelier in Berlin. Das ist die Kunst Demands, er baut Orte nach, die wir von Fotos aus Zeitungen und Magazinen kennen – an denen Geschichte gemacht wurde.

Orte und Tatorte wie das Badezimmer, in dem Uwe Barschel starb, oder der Pariser Tunnel, in dem Lady Diana verunglückte. Die Papiermodelle im Maßstab 1:1 versteht Demand noch nicht als Kunst, wohl aber die Fotografien, die er von diesen menschenleeren Modellen macht. Erst die Rückspiegelung in genau dem Medium, aus dem der Betrachter die Orte zu kennen glaubt, schafft eine neue, verfremdete Wahrnehmung. Demands Werk kreist um Repräsentation, um das visuelle Gedächtnis, um die Gemeinschaften, die die Medien bilden.

Nun hat er also das vermutlich bekannteste Arbeitszimmer der Welt nachgebaut, einen Raum, den er nie betreten hat. Und den übrigens auch Barack Obama bis zum vorigen Montag nur aus dem Fernsehen und den Zeitungen kannte. Eine Kulisse, die schon für Dutzende von Filmen und Fernsehserien nachgebaut worden ist und für die es aus Sicherheitsgründen keine offiziellen Baupläne gibt. Das Magazin der New York Times hatte Demand beauftragt, das Oval Office für den Umschlag der ersten Ausgabe nach der Präsidentschaftswahl zu schaffen – seine Bilder illustrierten dann einen Artikel, der sich mit der Machtausdehnung des Präsidentenamtes unter George W. Bush beschäftigte. Jenem Präsidenten, der vor Besuchern im Weißen Haus immer wieder die Wichtigkeit seiner ersten Amtshandlung betonte: der Auswahl des Oval-Office-Teppichs.

Demand hat sich von der New York Times mit den Details versorgen lassen: GWB hat einen gelben Teppich, Clinton hatte davor einen blauen. In Demands Oval Office ist der Teppich aus blauem Konfetti. Die goldenen Adler auf den Fahnenstangen hat er aus Hanuta-Papier geformt. Jetzt ist das alles im Müllcontainer. Die fünf Bilder, die Demand in seinem Berliner Oval Office fotografiert hat, zeigt die Galerie Sprüth Magers vom 25. November an in ihrer Londoner Dependance. Und die Demand-Ausgabe des New York Times Magazine wird wohl bald bei eBay versteigert werden. Tobias Timm

Thomas Demand, "Presidency I", 2008, 223 x 310 cm, C-Print

"Die Räume des Weißen Hauses sind gar nicht so groß und weit, wie man von den Fernsehbildern meinen könnte"