Danke, liebe ZEIT-Redaktion, für ein Interview, so grandios, wie ich es – auch in der ZEIT – schon lange nicht mehr gelesen habe! In Krisen und unsicheren Lebenslagen sucht man nach klaren, wahrhaftigen und vor allem – ideologiefreien – Reden. Geradezu als Befreiung habe ich die Worte von Jürgen Habermas empfunden. Plötzlich merkt man, wie festgefahren selbst die weitsichtigsten Politiker dieses Landes sind. In Zeiten, in denen Männer wie Lafontaine und Merz sich in inszenierten Diskussionen die einstudierten Argumente ihrer Klientel so offensichtlich gegenseitig zuplappern, dass sich jeder halbwegs politisch Interessierte die Ohren vor Schmerzen zuhält, lechzt man danach, dass Menschen wie Jürgen Habermas zugehört wird, sie angehört werden und ihnen nachgeeifert wird. Hoffentlich auch bald wieder von der ZEIT.

Stefan Weisenbacher,

London

Das Interview mit Jürgen Habermas: glasklar in der Analyse, deutlich im Urteil wie immer – wunderbar! Allerdings seine Perspektive einer Globalisierung der Politik scheint mir doch allzu optimistisch. Natürlich gibt es nicht "die Globalisierung", wie uns von interessierter Seite immer und immer wieder suggeriert wird. Natürlich handelt es sich bei "der Globalisierung" lediglich um die Globalisierung eines winzigen Teils gesellschaftlicher Wirklichkeit: nämlich um die Globalisierung der Wirtschaft. Politik und Recht sind mehr als meilenweit von jeglicher Art von Globalisierung entfernt; Wissenschaft und Kunst kennen allenfalls ein paar Kooperationsprojekte und bestenfalls globale Rezeption.

Globalisierung ist jedenfalls – wie die Wirtschaft es zeigt – etwas ganz anderes.

Dieter Thomashoff, Köln