Schön, dass Sie einer Fotoarbeit beinahe ein ganzes Heft widmen. McGinley ist sicher einer der spannendsten jüngeren Fotografen. Aber der Kontext!

Sie überschreiben Ihr Heft mit Das neue Amerika und beziehen es sicher auf den Wahlsieg von Barack Obama. Sie führen an, dass die Bilder während des Wahlkampfs entstanden seien. Ein Teil der Fotos war schon im Frühjahr 2008 in New York zu sehen, Motto der Ausstellung: "I know where the summer goes". Untersucht man die Bilder auf "Amerika", findet man leider nichts weiter als gelegentliche Hinweise auf die eine oder andere Landschaft. Und natürlich den Supermarkt, den Sie so schön finden, dass Sie ihn gleich zweimal abdrucken. Vergleicht man die Semiotik McGinleys mit dem im Text erwähnten The Americans von Robert Frank, so lernen wir über "das neue Amerika" nichts dazu, außer dass der junge Künstler gerne nackte Models um sich versammelt und auf 4000 Rollen Film versucht, so viel Zufall wie möglich zu kalkulieren. Der renommierte Blog "Conscientous" bezeichnete die Fotos als "American Apparel without the clothes".

Man kann durchaus den Schluss ziehen, dass ein überhitzter Kunstmarkt sich die Methoden der Werbe- und Modefotografie zu eigen macht, mit Superlativen (16 Models, 4000 Rollen Film, 150000 Aufnahmen) wirbt, um noch eins draufzusetzen. Auch das ist Amerika. Aber nur weil Modelle jung und nackt und in Amerika herumspringend inszeniert werden, sollten Sie Ihre Leser nicht glauben machen, hier würden junge Leute "die Unschuld der Vereinigten Staaten zurückerobern wollen". Oder beabsichtigen Sie, in Zukunft die Familienpolitik mit dem Bild glücklicher Knorrsuppen und Rama-Familien zu illustrieren?

Peter Bialobrzeski, Hamburg

Fotograf

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Renate Jung, Würzburg