Wie mir scheint, liegt hier ein Missverständnis vor. Die Löhne der Arbeitnehmer sind keine Kapitalrenditezahlungen. Während der Kapitaleigner das Risiko des Wirtschaftens trägt und dafür über die Risikoprämie in der Rendite belohnt wird, erhalten die Arbeitenden Lohn, dessen Erhöhung sich am Produktivitätszuwachs und am Inflationsausgleich orientieren muss, unabhängig von der konjunkturellen Situation. Wer die Arbeitenden dazu auffordert, sich am Risiko der Unternehmung zu beteiligen, indem Lohnverzicht geübt wird, macht sie de facto zu Unternehmern, jedoch ohne alle Rechte und Vorteile eines Unternehmers.

Offensichtlich ist dies ein sehr schlechter Handel für die Arbeitenden. In der Idealvorstellung der Neoklassik sollte ein Verhandlungspartner jeden Vertragsinhalt ablehnen, der sich negativ auf sein Nutzenniveau auswirkt. In diesem Sinn wünsche ich der IG Metall viel Erfolg bei den Tarifverhandlungen!

Maike Irrek, Berlin

Der Artikel bringt es absolut auf den Punkt. Ich als IG-Metall-Mitglied plädiere seit Langem für Einmalzahlungen zusätzlich zu einer angemessenen Tariferhöhung zum Inflationsausgleich. Einmalzahlungen könnte man auch als Bonizahlungen der Beschäftigten bezeichnen. Sie sind für die Gewinne, die im letzten Tarif nicht berücksichtigt wurden oder nicht absehbar waren. Die Lohnerhöhung steht für das, was kommt. Wenn es wie jetzt schlecht aussieht für die nächsten Jahre, fällt sie niedrig aus. Falls es doch besser läuft, hat man Einmalzahlungen beim nächsten Mal. Diese zwei tarifpolitischen Instrumente könnten sich so gut ergänzen.

Manuel König, Keltern