Wenn Menschen nicht völlig frei sprechen können oder wollen, macht sich das manchmal an ihren Ticks bemerkbar. Guillaume de Posch streicht auffällig oft seine blau gestreifte Krawatte zwischen Daumen und Zeigefinger glatt.

Eigentlich wollte der Vorstandschef der ProSiebenSat.1 Media AG das Unternehmen schon längst verlassen haben. Doch die Haupteigentümer baten ihn im Juni, noch ein halbes Jahr dranzuhängen. Und so muss de Posch nun noch einmal Kosten kürzen, wo es kaum noch etwas zu kürzen gibt. Vergangene Woche verordnete er den Mitarbeitern von Sat.1 den Umzug von Berlin nach München, wo ProSieben seinen Sitz hat. Außerdem sollen 200 Stellen in dem TV-Konzern wegfallen.

Man könnte verstehen, wenn de Posch die Nase voll hätte. Aber zugeben würde er das niemals, auch wenn er die Schuld an der Misere nicht bei sich sucht: "Ich habe alles geleistet, was ich konnte."

Das war offenbar nicht genug. Der Fernsehgruppe geht es jedenfalls schlecht: Sinkende Umsätze, horrende Schulden, die Aktie am Boden – und die Mitarbeiter sind in Aufruhr.

Der Niedergang von ProSiebenSat.1 wirft auch ein Schlaglicht auf die Rolle, die Finanzinvestoren in der deutschen Wirtschaft spielen, und wirft Fragen auf: Können Beteiligungsgesellschaften gute Unternehmer sein? Wie verhalten sie sich in Krisenzeiten? Werden sie ein großes Unternehmen pleitegehen lassen – mit all den Jobs, die daran hängen?

ProSiebenSat.1 ist seit 2006 in der Hand von Heuschrecken. Die Aktienmehrheit liegt bei den internationalen Finanzinvestoren KKR und Permira. Die haben den Konzern noch im Frühjahr zur Ausschüttung einer Dividende von 270 Millionen Euro gedrängt. Die musste größtenteils aus der Substanz gezahlt werden, denn der Reingewinn lag im Vorjahr bei nur 90 Millionen Euro.

Ein Fehler aus heutiger Sicht. Aber darüber möchte der Vorstandschef nicht reden. De Posch sieht aus, als würde er den Schlips, den er ständig glatt streicht, lieber kräftig zuziehen, als ein böses Wort über die Eigentümer zu sagen. Die "Umstrukturierung" sei nötig. Und er ist nun mal bis zum Jahresende der Vorstandschef. "Ich muss es jetzt tun, ich bin jetzt verantwortlich."