Eben noch war Barack Obama der neue Kennedy. Der junge, strahlende, charismatische Präsident, das Generations-Idol des Aufbruchs in die befreiten 1960er Jahre kam allen zuerst in den Sinn bei Obamas Auftritt auf der politischen Bühne. Aber seit er wirklich gewählt und die Last des Augenblicks mit vollem Gewicht auf seine Schultern gefallen ist, hat sich die historische Perspektive verschoben.

Trotz der Gefahren des Kalten Krieges war die Kennedy-Zeit im Grunde idyllisch: Die Vereinigten Staaten waren stark und ihrer selbst gewiss. Heute, in der Krise der amerikanischen Macht und des Amerikanischen Traums, reicht das Bedürfnis nach Erneuerung viel tiefer. Die geschichtlichen Vorbilder, an denen Barack Obama gemessen wird, nehmen gewaltige Dimensionen an.

Er bewundert Abraham Lincoln, den Sklavenbefreier und Präsidenten des amerikanischen Bürgerkriegs, der in der Stunde der nationalen Not seine stärksten Rivalen ins Kabinett holte – ein Modell für die Berufung einer Außenministerin Hillary Clinton?

Doch die Ikone, die inzwischen am prominentesten über dem Tor zu den Obama-Jahren steht, ist Franklin Delano Roosevelt. Das Magazin Time hat Obama sogar in einer Fotomontage mit Filzhut und Zigarettenspitze im Stil des US-Präsidenten der Jahre 1933 bis 1945 auf den Titel gesetzt.

Als er gewählt wurde, lagen die USA wirtschaftlich am Boden

Die Welt kennt Roosevelt als Sieger über Hitler und Verteidiger der Demokratie im 20. Jahrhundert. Der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten, im Dezember 1941 nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor, besiegelte auf mittlere Frist die Niederlage Nazideutschlands und seiner Verbündeten. Churchill war es, der Hitler in der Schlacht um England zum Halten brachte, Stalin und Roosevelt sind es gewesen, die ihn in die Knie zwangen.

Franklin Roosevelt hat das Kriegsende, die Kapitulation Deutschlands und die Atombombe auf Japan nicht mehr erlebt; er starb im April 1945, wenige Wochen vor dem Waffenstillstand. Aber die Nachkriegsordnung und die Institutionen der freien Welt, von der erst jetzt neu debattierten Finanzordnung um die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds bis zu den Vereinten Nationen, sind Rooseveltsches Erbe. 1941 hatte er die »Vier Freiheiten« proklamiert, die in die Geschichte der Menschenrechtserklärungen eingegangen sind: die Freiheit der Rede, die Freiheit der Religion, die Freiheit von Not und die Freiheit von Furcht.