Als er kaum zwanzig Jahre alt war, galt er in seiner Familie als Loser, denn Erfolge konnte der Politikersohn bis dahin nicht vorweisen. Das Abitur hatte er ebenso vermasselt wie die Aufnahmeprüfung beim Militär, alles deutete auf eine trübe Zukunft hin. Doch schon fünf Jahre später war der junge Mann zu einer Art Nationalheld geworden, den seine Landsleute bestaunten. Er selbst erklärte seine rasante Entwicklung damit, dass er – nach dem frühen Tod des Vaters – endlich der "Herr meiner Geschicke" geworden sei. Vor allem war er der Eliteschule entronnen, die er stets als Ort der Gewalt und Demütigung erlebt hatte, die Zeit dort als "Jahre des Zwanges, der Einförmigkeit, der Sinnlosigkeit". Ohne die verhassten Lehrer im Nacken entdeckte er nun sein Faible für Literatur, verschlang Klassiker und Philosophen, schulte sich autodidaktisch, reüssierte als Journalist und Buchautor. Unter anderem schrieb er eine Biografie über seinen Vater, der sich doch nie um ihn gekümmert hatte. Für seine "Nebentätigkeit" sollte er später einen würdigen Preis erhalten. Salopp gesagt, fiel ihm das exquisite Schnäppchen quasi im Vorbeigehen zu – ein Glanzpunkt seines Lebens.

Doch zunächst machte es ihn glücklicher, dass die Armee ihn doch noch gnädig aufnahm. Nachdem er zum Offizier befördert worden war, fühlte er sich endlich an seinem Platz, obwohl – oder gerade weil – er in fernen Ländern zum Einsatz kam. Befreit konnte er im öffentlichen Auftrag reisen und dabei sogar schreibend aus seinen Abenteuern schöpfen.

Irgendwann kam noch die Malerei als Hobby dazu. Seine stärksten Momente aber sollte er immer wieder in seinem "Hauptberuf" erleben. Auch wenn Rückschläge und Abstürze, Krisen und Fehlentscheidungen mitunter fast zur Katastrophe führten – am Ende ging er als Sieger durchs Ziel. Da interessierte es längst keinen mehr, dass ihm vor langer Zeit der Ruf als Klassenverräter angehangen hatte, weil er nach Belieben die Lager wechselte. Jetzt aber galt er als Retter. "Ich brauchte keine tröstenden Träume", schrieb er in seinen Erinnerungen, "Fakten sind besser als Träume."

Nach diesem Motto blieb er sich und seinen Idealen treu. Als Kämpfernatur, die Herausforderungen und Erfolge genießt, als Mann der Tat, notfalls als einer gegen alle – das geborene Alphatier. So ein Charakter schafft sich neben Bewunderern naturgemäß auch Gegner, erst recht, wenn es ums Überleben geht. Und doch gelang es ihm fast immer, im wirklich entscheidenden Moment die richtigen Mitstreiter zu finden.

Seinen wichtigsten Triumph dankte man ihm freilich nur kurz, dann war er wieder weg vom Fenster. Später kehrte er erneut zurück, bis er sich rund zehn Jahre vor seinem Tod endgültig ins Private zurückzog. Heute, im Rückblick auf sein Lebenswerk, sehen viele in ihm ein Jahrhundertphänomen. Wer war’s?

Frauke Döhring

Lösung aus Nr. 47:
Aphra Behn (1640 bis 1689) wurde vermutlich in Canterbury geboren, begraben ist sie in Westminster Abbey – nicht jedoch in Poets Corner. Ihren Aufenthalt in Surinam schilderte sie in der Erzählung "Oroonoko", einer vehementen Anklage der Sklaverei. 1666 spionierte sie in Antwerpen und Rotterdam. Sie war glühender Tory, ihre Verunglimpfungen des Thron- anwärters der Whigs gingen selbst ihrem Fan Charles II. zu weit. Schon ihrer Zeit, die den aristokratischen Libertin zum Idol erkor, war sie als Frau zu freizügig – prüdere Generationen sorgten später dafür, dass sie weitgehend in Vergessenheit geriet