Noch bis zum 25. November spielen bei der Schacholympiade in Dresden 1500 Männer und Frauen aus 150 Ländern um Titel und Ehre. Wird Russland seiner Favoritenrolle gerecht werden oder wieder wie 2006 in Turin versagen? Wird Indien, das Ursprungsland des Schachs, mit Viswanathan Anand, seinem mehrfachen Sportler des Jahres, diesmal ganz vorne mit- mischen? Wird Judit Polgar, die "natürlich" in der ungarischen Männermannschaft spielt, trotz ihrer inzwischen zwei Kinder ihre Gegner wieder – wie schon so oft – wild angreifen und danach behaupten, dass der Schachstil gar nichts mit dem Charakter zu tun habe? Werden die deutschen Frauen mit Elisabeth Pähtz, die just in Dresden auf die einzige Oberschule Deutschlands ging, auf deren Lehrplan Schach steht, den im Weltschach führenden Chinesinnen Paroli bieten können?

Ich weiß es nicht. Sicher ist nur: Auch diese Schacholympiade wird wieder ein Ort der Begegnung und ein großes Fest sein, wieder werden kurze "Quickies" und lange "See- schlangen" gespielt werden. Obwohl vielleicht keine 190 Züge wie 1988 in Saloniki zwischen dem US-Amerikaner Yasser Seirawan und dem Chinesen Jun Xu.

Und auch nicht nur vier Züge wie bei der Schacholympiade 1933 im englischen Folkestone. Warum gab damals der Schotte Robert Forbes Combe als Weißer, dessen Springer gerade einen schwarzen Bauern auf e5 vertilgt hatte (1.d4 c5 2.c4 cxd4 3.Sf3 e5 4.Sxe5), nach dem nächsten Zug des Letten Wolfgang Hasenfuß schon auf?

Helmut Pfleger