Es gibt Insekten, die vom Licht angezogen werden, und andere, die eher lichtscheu sind. Positive beziehungsweise negative Phototaxis nennt man das in der Wissenschaft. Ein Negativ-Beispiel sind Kakerlaken: Kommt man in ein von ihnen besiedeltes dunkles Zimmer und schaltet das Licht an, dann hört man nur ein Huschen – die Viecher haben sich blitzschnell in ihr dunkles Versteck verzogen. Andere Insekten, zum Beispiel Mücken, interessieren sich kaum für künstliches Licht, sie werden eher vom Geruch ihrer Opfer angezogen.

Sprichwörtlich ist die Anziehungskraft, die das Licht auf Motten ausübt. Unter denen gibt es Arten, die wie Zugvögel über Hunderte von Kilometer wandern und sich dabei, wie eine recht gut überprüfte Theorie besagt, am Mond orientieren. Sie richten ihre Flugbahn so ein, dass der Mond immer in einem konstanten Winkel zu ihnen steht (und korrigieren diesen Winkel sogar im Lauf der Nacht). Wenn sie nun eine Straßenlaterne für den Mond halten, dann führt der konstante Winkel allerdings nicht zu einer geraden Flugbahn, sondern zu einer spiralförmigen Kurve, auf der sie der Lichtquelle immer näher kommen. In Australien gibt es viele dieser Wandermotten, und manchmal werden die Städte dort von fehlgeleiteten Insekten regelrecht überfallen.

Eine allgemeine Erklärung für die Phototaxis ist das allerdings nicht. Nicht alle Insekten migrieren, und viele fliegen auch nicht auf einer Spiralbahn auf die Lichtquelle zu, sondern in einer geraden Linie, um dann im letzten Moment auszuweichen und das Licht zu umkreisen. Eine mögliche Erklärung für dieses Verhalten: Eine weit entfernte Lichtquelle bedeutet (wie der Mond bei Nacht) "oben" und damit Freiheit. Ist das Licht nahe, dann sucht das Insekt eher die Dunkelheit, und am dunkelsten erscheint der Himmel in unmittelbarer Nähe der Lichtquelle – so entsteht die Kreisbahn. Aber diese Theorie ist noch ziemlich löchrig.

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