Sie verkaufen billiges Bier an der Reeperbahn. In ihrem Laden, bis 23 Uhr geöffnet, ist oft die Hölle los. Damit werden sie fertig. Aber um sich endlich einen Betriebsrat wählen zu können, erbaten die 17 Angestellten der Lidl-Filiale geistlichen Beistand. Wir redeten mit Sieghard Wilm, Pastor auf St. Pauli

DIE ZEIT: Wie kam es zu Ihrem Lidl-Engagement?

Sieghard Wilm: Mitarbeiter wollten einen Aushang machen zur Betriebsratswahl und fragten: "Können Sie uns begleiten? Wir haben Angst." Und so sind wir da hin. Ich hab zunächst eine Shopping-Runde gedreht und mir alles angeguckt. Der Filialleiter hatte im Gesicht sofort rote Flecken. Seine erste Reaktion war der Griff zum Telefon. Nur 7 von 3000 Lidl-Filialen haben einen Betriebsrat.

Zeit: Welche Anweisung kam aus dem Telefon?

Wilm: Man wollte eine notarielle Bestätigung über die Gewerkschaftsmitgliedschaft. Das war eine Schikane. Aber die Mitarbeiter haben sich nicht einschüchtern lassen. Ich muss dazu sagen, dass die alle sehr jung sind. Ich finde das sehr mutig.

Zeit: Es gab dann eine Mitarbeiterversammlung im Hinterzimmer eines Cafés, im Vorraum saßen Sie. Gewählt wird jetzt Freitag. Um den Posten bewerben sich vier Kandidaten, auch der Filialleiter.

Wilm: Der wird das machen, um sich einen Pluspunkt einzuhandeln bei seinem Arbeitgeber, schätze ich mal. Aber es hat keinen Sinn, ein Feindbild aufzubauen. Der ist auch erst 30 Jahre alt, nett, der hat mir sogar das Du angeboten. Der will einfach nach oben. Was Lidl aber begriffen hat: Die kommen nicht drumherum, nicht hier. Die Reeperbahn kennen alle. Da guckt man hin.