Wenn zu Weihnachten Heinrich Breloers neue Verfilmung der Buddenbrooks kommt und mit den Dialogen alles seine Richtigkeit haben sollte, werden wir Gelegenheit haben, noch einmal die Sprache eines älteren Bürgertums zu hören, zu der auch die notorische Verwendung des Adjektivs »furchtbar« als Steigerungsadverb gehört. Ein »furchtbar schönes Konzert« war das, was man heute ein »wahnsinnig schönes Konzert« nennt. Der Übergang von Furcht zu Wahnsinn als Argument der Steigerung ist wahrscheinlich mentalitätsgeschichtlich aufschlussreich – irgendetwas muss unterdessen mit dem Bürgertum passiert sein. Geblieben ist allerdings die Neigung, das Harmlose zu dramatisieren und das Dramatische zu bagatellisieren. Etwas, das ihm gänzlich zuwider ist, wird der Bürger noch heute gerade nicht als »furchtbar« oder »schrecklich«, sondern als »erstaunlich«, »langweilig« oder »überflüssig« bezeichnen. Ein widerwärtiger Mensch ist eine »erstaunliche Person«, ein Familienstreit »einfach zu langweilig« und ein Bankrott »so was von überflüssig«, wenn nicht gar »wahnsinnig überflüssig«. So lässt sich, von den Buddenbrooks bis heute, noch immer aus der Ausdrucksweise die soziale Herkunft erschließen. Jens Jessen

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