Sind wir Deutschen ein Volk von Duckmäusern und Leisetretern? Haben wir Angst vor der Freiheit? Werfen wir uns deshalb dem Staat an den Hals, um von ihm "von der Wiege bis zur Bahre versorgt zu werden"?

Das Buch von Ulrike Ackermann legt diese Lesart nahe. Ihr zufolge erliegen wir dem fatalen Hang, die in den letzten zweihundert Jahren mühsam erkämpften individuellen Freiheitsrechte mutwillig preiszugeben und an ihrer Stelle der Illusion zu huldigen, "Gottvater Staat" könne und werde schon alles richten. Zudem glaubt die Autorin, das Herz der Republik schlage "inzwischen wieder links", was zu Kulturrelativismus, bürgerlichem Selbsthass und, noch schlimmer, zu einer sträflichen Unterschätzung der islamischen Herausforderung geführt habe. Was sie über den zeitgenössischen Islam zu sagen hat, erinnert in seiner Grobschlächtigkeit freilich eher an die Phobien Henryk M. Broders (Hurra, wir kapitulieren!) als an vernünftige Analyse.

Es ist erfreulich, wenn sich jemand Gedanken über die Freiheit macht – und Ackermann bemüht noch einmal die ganz großen Programme und Namen der westlichen Aufklärung, von Kant und Schelling über Tocqueville und John Stuart Mill bis zu Freud und Raymond Aron, um eine Lanze für die Freiheit zu brechen. Nur, wer wollte hier Widerrede leisten?

Es gibt Bücher, die wirken wie aus der Zeit gefallen. Ulrike Ackermanns Eros der Freiheit ist ein solches Buch, ähnlich wie Friedrich Merz’ Pamphlet Mehr Kapitalismus wagen . Hier werden uns mit viel Pathos Dinge angepriesen, die wir im Übermaß haben: Freiheit (Gott sei Dank) und Kapitalismus (leider). Ob die wachsende Anzahl gläubiger Muslime in Deutschland unsere Freiheit wirklich bedroht, ist doch sehr die Frage. Umgekehrt fasst Ackermann nicht einmal von Ferne den Gedanken ins Auge, dass der Freibeuterkapitalismus unserer Tage alle Freiheitserrungenschaften weitaus stärker unterminiert als eine neue Moschee in Duisburg oder Frankfurt am Main. Kapitalismuskritik ist für die Autorin gänzlich tabu, und von sozialer Gerechtigkeit und Solidarität, die sehr wohl etwas mit den Bedingungen und Chancen von Freiheit zu tun haben, ist denn auch mit keinem Wort die Rede.

So hängt die schöne Rede von der Freiheit buchstäblich in der Luft, bleibt sie, wie der kluge Karl Marx einmal bemerkt hat, eine "allgemeine Phrase", gewissermaßen ein ungedeckter Scheck. Man wünscht sich, Ulrike Ackermann hätte sich beim Schreiben über die Freiheit etwas mehr Zeit zum Nachdenken genommen.