An diesem Buch ist alles hinreißend, auch die Fußnote auf Seite 133 in dem Kapitel Der Kampf gegen die Dinge, in dem "Haushaltsprobleme" behandelt werden, vulgo die Unordnung in der eigenen Wohnung: Man ist allein oder zu zweit oder hat vielleicht sogar eine Familie, aber die Zahl der Gegenstände, die einen umgeben und die es zu beherrschen gilt, liegt bei 15000*. Wer käme dagegen an? Die Sachen sind einem über!

Das für sich wäre eine schöne Pointe – aber die Autoren dieses Buches können sie nicht einfach so stehen lassen. Sie pappen ein Sternchen an die von Forschern geschätzte Ziffer und sinnieren im Kleingedruckten weiter:

*Wie man zu dieser Zahl gelangt, ist uns nicht ganz klar. Zählen zum Beispiel alle Nägel in der Werkzeugkiste? Wenn die Werkzeugkiste herunterfällt, muss man ja schließlich auch sämtliche Nägel wieder aufheben. Beziehungsweise zwei Jahre lang liegen lassen, bis man sich aufraffen kann, sie wieder aufzuheben. Wenn man tausend Nägel in ein Schraubglas füllt, hat man dann tausend Gegenstände weniger als vorher? Zählt jede Seite in einem 500-Blatt-Paket-Druckerpapier? Kann man zwei Bretter zusammennageln und hat dann statt drei Gegenständen nur noch einen? Hilft es, einfach alle 15000 Gegenstände aneinanderzunageln, um so der Unordnung Einhalt zu gebieten?

Vom Hundertsten aufs Tausendste, aufs Fünfzehntausendste zu kommen und nebenher noch einen Scherz zu machen, dazu sind diese zwei Autoren jederzeit bereit, die im gröbsten Durcheinander zu voller Form auflaufen und sich nur zu gern dem Detail hingeben, frei nach Kafka: Das Leben ist eine einzige Ablenkung, man weiß nicht einmal, wovon.

Dinge geregelt kriegen, verspricht in Großbuchstaben der Titel, mit rotem Filzstift ist hinzugekrakelt: ohne einen Funken Selbstdisziplin. Die Aufmachung täuscht zunächst einen Ratgeber à la Simplify Your Life an, bewirbt dann aber lässig etwas anderes, viel Besseres, nämlich eine durchtriebene Philosophie des Scheiterns.

Kathrin Passig und Sascha Lobo aus Berlin haben ein urkomisches, schwer melancholisches Sach-, Lach- und Krachbuch geschrieben. Der Nachname des Sascha Lobo steht gleichzeitig als Abkürzung für den "Lifestyle Of Bad Organisation", die schlecht organisierte Lebensführung, um die es hier geht.

Heißt der Mann wirklich Lobo? Man blättert den Schutzumschlag auf und sieht hinten in der Klappe einen älteren Herrn, Jahrgang 1975, mit Schnurrbart und flammendem Irokesenschnitt, "freiberuflich Kommunikationsstratege". Kathrin Passig hingegen hat sich zum Fototermin grad noch ein T-Shirt überstreifen können. Vor zwei Jahren gewann sie den Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Preis.