Ob Angela Merkel für die Krise taugt, hängt von beiden ab, von der Krise und von ihr.

Deutschland geht auf schwere Zeiten zu, heißt es. Aber das ist eine Untertreibung. Tatsächlich befinden wir uns in mehreren Krisen zugleich, in einer der Finanzen, einer der Wirtschaft, einer virtuellen, weil sie uns noch nicht voll erfasst hat, und einer fundamentalen, weil es erkennbar um mehr geht als nur um Konjunktur. Wie tief die Krisen werden und wie lange sie dauern, weiß keiner. Gewiss aber ist, dass sie viele und vieles gründlich verändern werden.

Eine hat die Krise schon verändert: die Kanzlerin. Nie zuvor hat Angela Merkel sich so massiv gegen alle gestellt, wie sie es jetzt beim Konjunkturprogramm tut. Oder zumindest: gegen alle außer Steinbrück. Die Briten sind gegen sie, die Franzosen auch, die EU, der Sachverständigenrat, die Medien, die CSU, auch die schweigende Mehrheit von CDU und SPD, die Opposition sowieso. Mutlos ist sie also nicht, diese neue Merkel. Nur fragen sich viele, ob sie eventuell auch verrückt geworden ist, oder zumindest: Warum, zum Teufel, stellt sie sich gegen den Rest der Welt?

Der wichtigste Grund für ihre Sturheit ist, dass es gegen ihre Prinzipien verstößt, etwas zu tun, was sie nicht versteht. Beispielsweise leuchtet es ihr nicht ganz ein, wieso eine Krise, die durch immer mehr blindes Schuldenmachen entstanden ist, nur durch noch mehr blindes Schuldenmachen zu beheben sein soll.

Außerdem verläuft diese Krise so wahnsinnig schnell, noch schneller, als auch die klügsten Politiker denken können. Keiner – außer natürlich der Sachverständigenrat, der stets alles weiß – kommt da noch richtig mit. Was aber Nicolas Sarkozy oder Gordon Brown nicht davon abhält, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen. Merkel jedoch bezweifelt, dass vorn immer der richtige Ort ist. Weder für sie – noch für Deutschland. Weil die deutsche Wirtschaft viel mehr vom Export lebt als andere, wird bei Konjunkturprogrammen am meisten Geld wirkungslos verbrannt. Folglich eignet sich dieses Land als europäische Konjunktur-Lokomotive eher wenig. Weiter hinten fährt man womöglich besser. Und macht dabei weniger Schulden.

Zudem geht es beim Kampf Merkel gegen alle (außer Peer) weniger um die Frage, ob ein zweites Konjunkturpaket irgendwann nötig wird oder nicht, sondern darum, ob eine Regierung noch das Recht hat, sich einmal acht Wochen lang die Entwicklung anzuschauen, bevor sie neue Maßnahmen beschließt. Merkel versucht, ihre Souveränität als Kanzlerin gegen die internationale Einheitsfront zu behaupten.

Die ist sich offenkundig aus zwei Gründen so furchtbar einig: aus Interesse und aus Angst. Selbstverständlich möchten die Franzosen, dass hier mehr für die Konjunktur getan wird, schließlich sind wir ihr wichtigster Handelspartner. Und im Inland versprechen sich alle Interessengruppen etwas vom neuen, frischen Schuldengeld. Außer den künftigen Generationen.