Die Wiener Kindergärten, immer für außergewöhnliche pädagogische Experimente gut, wollen das bevorstehende Nikolofest reformieren. So soll es hausfremden Nikoläusen nicht mehr gestattet sein, die Kleinsten mit Süßigkeiten zu erfreuen. Da der zuständigen Magistratsabteilung aber keine eigenen Rathaus-Nikoläuse zur Verfügung stehen – über Krampusse liegen keine Informationen vor –, sollen sich die Wiedergänger des Bischofs von Myra nun nur akustisch vernehmen lassen. "Die Kinder werden darauf eingestimmt, dass der Nikolo kommt. Dann gehen sie ihn suchen, hören schwere Schritte im Nebenraum, und wenn sie zurückkehren, stehen dort die Nikolosackerln", so schildert die oberste Wiener Kindergartentante den neuen Ritus. Prima Didaktik! Dadurch werden die Knirpse auch ein wenig kriminologisch geschult. Die Geräusche im Nebenraum könnten ja auch von einem Einbrecher stammen, aber nein – es war der Heilige, und seine Gaben erfreuen auf lange Sicht auch die Zahnärzte. So bleibt der Zauber erhalten, und die Kinder erkennen, dass die Nikoläuse im Kaufhaus Hochstapler sind, denn der echte Nikolaus ist unsichtbar und stapft schweren Schrittes durch die Nacht. Ganz anders hingegen das Konzept der städtischen Kindergärten, wenn ein Werbeclown mit Fruchtzwergen zu Besuch kommt. Der wird nicht versteckt, seine Mitbringsel fördern Diabetes und verderben den Geschmack. Vermutlich sollen die Kleinsten so mit den Tücken der Marktwirtschaft vertraut gemacht und gegen die Tricks der Werbung immunisiert werden. Genial!