Der Herbst ist in unserem Gewerbe die anstrengendste Jahreszeit. Man ist ständig unterwegs, weil in Cannes, Monte Carlo, Genua, Barcelona, Paris und Amsterdam wichtige Messen stattfinden. Dafür muss man sich immer wieder mit neuen Entwürfen rüsten. Zugleich ist in dieser Zeit der Kontakt zu den Bootseignern sehr eng, weil die noch vor dem Winter ihre Aufträge für neue Boote vergeben wollen. In diesem Jahr reagieren die Kunden recht verhalten und warten ab, ob sich die Wirtschaftskrise noch verschärfen wird. Eine Luxusyacht ist ja weder lebensnotwendig noch eine Geldanlage. Hersteller von Serienbooten im unteren Preissegment haben mit der Zögerlichkeit stärker zu kämpfen als die Designstudios, in denen die großen Boote entstehen.

Ich führe seit einem Jahr mein eigenes Studio. Wir entwerfen meist das komplette Boot und kümmern uns um Styling, Innendesign und sogar um die Farbe der Sitzpolster. Derzeit arbeiten wir an einem breiten Spektrum – vom kleinen Daysailer für 50000 Euro bis hin zur 20 Meter langen Cruising-Yacht für 1,5 Millionen Euro. Für die Düsseldorfer Bootsmesse im Januar entwerfe ich gerade eine 30 Meter lange Segelyacht. Für den Bau so eines Schiffes sind bis zu zehn Millionen Euro zu veranschlagen. Früher haben die Eigner solcher Boote über zwei Jahre hinweg den Entstehungsprozess interessiert begleitet. Inzwischen werden die Besitzer immer jünger und ungeduldiger: Sie wollen sofort lossegeln.

Meine Faszination für das Segeln begann, als mich mein Vater im Alter von sechs Jahren am Traunsee mit aufs Boot genommen hat. Draußen auf dem Wasser konzentriere ich mich nur auf Wind, Wellen und Boot und vergesse alles andere. Dass ich durch meine Arbeit nun selten zum Segeln komme, ist ein Wermutstropfen. Früher war ich mit einer klassischen Ausbildung in Maschinenbau zehn Jahre lang als Konstrukteur und technischer Leiter in einem Mechatronikbetrieb beschäftigt. In dieser Zeit bin ich an den Wochenenden quer durch Europa von einer Regatta zur nächsten getingelt. Mit 30 Jahren habe ich in einem Segelmagazin die Anzeige einer britischen Universität entdeckt, in der ein Studiengang für Yachtdesign beworben wurde. Das war es dann: Ich habe meinen guten Job aufgegeben und in Southampton studiert.

Dass ich heute in Mailand arbeite, hat auch damit zu tun, dass die Italiener einen ausgeprägten Sinn für Design haben, egal ob bei Schuhen, Möbeln oder eben Yachten. Schon Kindern wird vermittelt, welch wichtige Rolle die Ästhetik im Leben spielt. Ein Textildiskonter, wie es sie in Österreich überall gibt, hätte hier keine Überlebenschance.

Aufgezeichnet von Ernst Schmiederer

Foto: privat