NRW will die Lehrerbildung reformieren und könnte Vorbild für andere werden

Lehrer, das hat kürzlich erst wieder eine Umfrage im Auftrag der ZEIT gezeigt, haben einen guten Ruf. Auch wenn sie es selbst oft nicht glauben mögen: Die meisten Menschen schätzen die Arbeit, die sie für unsere Kinder tun, außerordentlich. Dass es dennoch immer wieder auch zu berechtigter Kritik an der Leistung der Pädagogen kommt, liegt an einzelnen, weniger inspirierten Vertretern ihres Berufsstandes und, viel bedenklicher, an einer Ausbildung, die den Erfordernissen des modernen Schulalltages schon lange nicht mehr gerecht wird.

Der in vielen Bundesländern geplante oder bereits umgesetzte Umbau der Studiengänge hin zu den international vergleichbaren Abschlüssen Bachelor und Master hätte eine einzigartige Gelegenheit sein können, einen wirklichen Neuanfang zu wagen. Ein Neuanfang, der endlich den Praxisanteil des Studiums erhöht, also dafür sorgt, dass die Studenten schon vor dem ersten Semester und danach regelmäßig eine Schule von innen sehen. So könnten viele Enttäuschungen am Ende des Studiums vermieden werden, wenn die Absolventen ins Referendariat wechseln und bei ihrem ersten längeren Aufenthalt in der Schule feststellen, dass sie eigentlich mit Kindern gar nicht klarkommen.

Ein richtiger Neuanfang sollte auch Schluss machen mit der seltsamen Abstufung zwischen Grundschul-, Hauptschul-, Realschul- und Gymnasiallehrern. Er sollte allen eine gleichwertige Ausbildung bieten, die sie am Ende auch in den Augen der Öffentlichkeit gleichwertig macht. Und er würde im Zweifel ein bisschen auf Tiefe bei den fachwissenschaftlichen Inhalten verzichten, um die eingesparte Zeit für zusätzliche Kurse in Pädagogik und Fachdidaktik sinnvoller einsetzen zu können.

Leider haben die meisten Bundesländer bislang diese vielleicht einmalige Chance auf einen frischen Start ungenutzt verstreichen lassen. Sie haben ihre Lehramtsstudiengänge umgebaut, ohne auf den Rat ausgewiesener Wissenschaftler und Pädagogen zu hören, die seit Jahren immer wieder die gleichen Reformen angemahnt haben. Die Zögerlichkeit der Länder ist doppelt ärgerlich, denn selbst wenn sie echte Reformen noch heute umsetzen würden, dauert es Jahre, bis sie in der Schule ankommen.

Immerhin, es gibt eine Ausnahme: Nordrhein-Westfalen will die Empfehlungen einer Expertengruppe verwirklichen, die unter der Leitung des bekanntesten deutschen Bildungsforschers, Jürgen Baumert vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, zustande gekommen sind. Der Plan: mehr Praxisanteile, gleichwertige Studiengänge, ein neu gestaltetes und gekürztes Referendariat. Und ein besonderer Akzent auf der Pädagogik. So hat es das Kabinett im größten deutschen Bundesland beschlossen. Schaut auf NRW!, will man den Kultusministern der anderen Länder zurufen. Hoffentlich tun sie es. Dann könnte er doch noch um sich greifen, der überfällige Neuanfang in der Lehrerausbildung.