Sie hatten es grade vom Wolf. Acht Stück, stand in der Zeitung, gebe es neuerdings in der Schweiz. Aber die Diskussion am Stammtisch im Sternen kam nicht in Fahrt, weil Wölfe hier im Flachland keinen interessierten. Höchstens bei den Kormoranen konnte sich Peti als Hobbyfischer manchmal echauffieren. Dann war politisch aber Saure-Gurken-Zeit.

Weil sie es also grad vom Wolf hatten und trotzdem nichts ging, erhöhte Lehrer Chäschpi ein bisschen die Spannung: "Jetzt hat der Ospel doch noch zurück gezahlt." – "Wie ’ne Moore", sprang Elektriker Peti zuverlässig darauf an. "Wenigstens hat er es eingesehen", legte Chäschpi nach. Prompt knurrte es: "Wenn er immer so eine lange Leitung hatte, verstehe ich nicht, weshalb er die UBS geführt hat." Peti kratzte sich am Oberschenkel, stierte in sein Bier und schoss hinterher: "Dafür weiß ich dann, warum die UBS fast Konkurs gemacht hat."

"Du weißt doch selber, wie schwer einem eine Beurteilung von außen fällt, wenn man so tief in einer Sache dringesteckt hat", war Pädagoge Chäschpi ganz verständnisvoll. "Hat er überhaupt etwas zurückgezahlt, oder verzichtet er nur auf einen Teil des Chlütters, den sie ihm noch nachschießen?", raunzte Peti, und Chäschpi freute sich, den stockenden Stamm in Fahrt gebracht zu haben. Steuergelder waren einfach ein verlässliches Thema, um Petis Sicherungen zu strapazieren.

Bevor der Stamm jetzt aber auf die Idee käme, Chäschpi hätte als Linker und Netter Verständnis oder gar Mitleid mit dem Ospel, lenkte er das Gespräch in eine andere Richtung: "Viel helfen werden die 20 Millionen sowieso nicht, falls die UBS einen zweiten Kredit braucht." – "Das ist überhaupt die Höhe", explodierte Peti so laut, dass Dragana nachschaute, ob es Zeit für ein kühlendes Bier sei. "68 Milliarden haben sie bekommen, und schon reden sie von der nächsten Tranche, um diesen Scherbenhaufen in den Griff zu bekommen."

"Aber", warf der Franz ein, der sonst hell genug war zu wissen, dass er nicht viel einwerfen sollte, an dem Abend jedoch schon zwei Stangen länger im Sternen saß, "den anderen geht es auch nicht besser. Es sind alle Banken am Arsch. Da kann der Ospel nichts dafür."

"Herrgott", war Peti schneller als Chäschpi, "wenn der Ospel nur ein Schaf war, das mit der Herde blökte, warum hat er dann überhaupt so viel Geld kassiert, hä?" Um den Franz zu entlasten, der als Schreiner mit Worten weniger gewandt war als mit der Schleifmaschine, warf Chäschpi dem Peti ein Wortspiel zwischen die Beine: "Der Ospel ein Schaf im Wolfspelz?"

"Wölfe, Schafe, mir doch egal", brummte Peti, "Viecher interessieren mich nur auf dem Teller." Chäschpi erinnerte sich ans Gigot von Petis Frau und hoffte, sie würden mal wieder eingeladen. Dann hätte Ospel auch sein Gutes gehabt. Silvano Cerutti