Wenn deutsche Hochschulexperten das Wort Zürich hören, gibt es zwei mögliche Reaktionen: Einige geraten ins Schwärmen. Die meisten aber brechen in Tränen aus. Zu weit ist die Eidgenössische Technische Hochschule (kurz: ETH) den deutschen Universitäten im internationalen Wettbewerb davongezogen, als dass es noch gemäßigte Reaktionen auf diesen Erfolg geben könnte.

Mit ihren 368 Professoren und 14.000 Studenten rangiert die ETH Zürich im globalen Ranking der Spitzenuniversitäten auf Platz 24. Die beste deutsche Hochschule, die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München, liegt mit 657 Professoren und 44.000 Studenten auf Platz 55. Die ETH hat 22 Nobelpreisträger hervorgebracht, die LMU 13. Wilhelm Conrad Röntgen haben dabei beide auf ihrer Liste. An der ETH hatte Röntgen studiert (nebenbei bemerkt: ohne Abitur), an der LMU war er Professor.

Und die Gründe für den Erfolg? Erstens: Geld! Die Münchner Großuniversität wies 2007 (ohne Klinik) ein Gesamtbudget von 380 Millionen Euro aus, die deutlich kleinere ETH konnte über 788 Millionen Euro verfügen. Zweitens: Freiheit! Die ETH kann sich ihre Professoren auf der ganzen Welt selbst aussuchen – und tut das auch. Drittens: nochmals Freiheit! Sie bietet ihren Forschern beste Arbeitsbedingungen ohne bürokratische Fesseln. Das lockt auch deutsche Spitzenforscher über die Grenze.

Kein Wunder, dass solche Fakten deutsche Hochschullehrer zum Schwärmen – oder eben zum Weinen – bringen. Ihre schmalen Budgets werden von den Bundesländern diktiert. Ihre Grundausstattung ist mager, ihr Freiraum beschränkt. Die Lösung wäre naheliegend: Wer verbietet deutschen Forschungspolitikern eigentlich, neben den Landeshochschulen auch Universitäten des Bundes zu gründen und sie mit größtmöglicher Freiheit und einem ordentlichen Budget auszustatten, um endlich wieder im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe und ihre Ideen ganz vorn mitzuspielen?

Die Antwort: niemand! Das haben die Schweizer doch auch hingekriegt. Auch bei ihnen gab es anfangs Auseinandersetzungen zwischen den Kantonen und dem jungen Bundesstaat, die dazu führten, dass die ETH sich seit ihrer Gründung 1855 bis heute auf die technischen Fächer konzentriert.

In der Schweiz ist dieses Rezept sogar gleich noch einmal aufgegangen. Denn auch die ETH Lausanne, erst 1969 von der Universität Lausanne organisatorisch getrennt, kann sich inzwischen in ihren Fachgebieten mit der Weltspitze messen.

Eine solche Dynamik lässt gleich nochmals Tränen fließen. Und wer je auf der Polyterrasse der Zürcher ETH gestanden und von dort auf den See geblickt hat, darf getrost zum dritten Mal neidisch werden – diesmal ganz unakademisch. Andreas Sentker