Wenn Gesundheitsökonomen auf die Schweiz zu sprechen kommen, reden sie häufig übers Zähneputzen. Offenbar kümmern sich die Schweizer vorbildlich um ihre Zahngesundheit – und deutsche Wirtschaftswissenschaftler wie Bert Rürup, Chef der Wirtschaftsweisen, begründen das damit, dass die Bürger fast alle Zahnbehandlungen selbst tragen müssen: "Seit die Krankenversicherung nicht mehr für alles zahlt, haben die Schweizer gute Zähne. Warum? Weil Zahnersatz in hohem Maße prophylaxeabhängig ist." Andere Fachleute weisen außerdem auf besonders moderne Behandlungsmethoden Schweizer Zahnmediziner hin.

Unstrittig ist: Im Schweizer Gesundheitssystem muss der Patient besonders viel selbst bezahlen, nicht nur die Reparatur seiner Zähne. Seit 1996 gibt es für die Bürger des Landes nur noch eine obligatorische Grundversicherung, die das Nötigste abdeckt. Neunzig Prozent aller Schweizer haben darüber hinaus eine Zusatzversicherung für weitere Leistungen abgeschlossen. Eigenverantwortung spielt also eine größere Rolle als in Deutschland.

Das ist nicht der einzige Grund, warum vielen Ökonomen das Gesundheitssystem der Schweiz so gut gefällt. Anders als in Deutschland ist auch, dass die Umverteilung zwischen Arm und Reich allein Aufgabe des Steuersystems ist. Einkommensstarke zahlen nicht, wie in Deutschland, höhere Gesundheitsbeiträge. Stattdessen gibt es eine Einheitsprämie für alle – also genau das, was die CDU noch im Wahlkampf des Jahres 2005 auch in Deutschland einführen wollte. Nur für sozial Schwache werden auch in der Schweiz die Prämien etwas verringert. Insgesamt ist aber dank der Einheitsprämie transparenter, wer in der Gesellschaft welchen Solidarbeitrag zahlt – in Deutschland haben selbst Experten längst keinen Überblick mehr darüber, wie die unterschiedlichen Sozialtransfers und -abgaben wirken. Wer wie viel vom Staat bekommt oder an ihn zurückgeben muss, hängt von so vielen individuellen Faktoren ab, vom Familienstand bis zum Wohnungsbesitz, dass sich generelle Aussagen zur Verteilung nur schwer treffen lassen.

Während in Deutschland die Idee einer Gesundheitsprämie nur bei Experten beliebt ist, sind in der Schweiz auch die Bürger einverstanden mit der Idee: Die Prämie wurde 1996 nach mehreren Volksabstimmungen eingeführt – ein System nach deutschem Vorbild lehnten die Schweizer ab. Sie haben nun ein transparenteres, allerdings kein preiswerteres System: Bei den Ausgaben pro Kopf liegen die Eidgenossen sogar noch vor den Deutschen. Elisabeth Niejahr

Elisabeth Niejahr ist ZEIT-Redakteurin