E-Books gehört die Zukunft, hört man. Schicke Geräte sollen Abertausende Buchseiten speichern und das Lesen märchenhaft angenehm machen. Wem das nützt? Egal, Hauptsache, Gutenberg futuristisch! Während deutsche Hipster noch darauf warten, sich im Frühling endlich mit E-Book-Lesegeräten im Café lümmeln zu können, beginnt in Japan eine etwas andere Lesezukunft. Das japanische Industrieministerium Meti – weltberühmt für seine strategische Technologieförderung – hat die acht Gewinner des diesjährigen Roboterpreises Robot Award bekannt gegeben.

Neben einem robotischen Reispflanzer und dem kleinsten serienmäßig gefertigten Blechzweibeiner der Welt findet sich unter den Preisträgern auch ein kurioses Gerät der Firma Nishizawa aus Nagano. Das Meti preist die Fähigkeiten dieses "Serviceroboters" als "Weltpremiere": "Er benutzt einen Seiten-Vereinzelungs-Mechanismus, um erfolgreich die Bewegung menschlicher Finger beim Umblättern nachzuahmen."

Für alte Japaner, die aus eigener Kraft kein Buch mehr halten können, blättert Book Time 5500 mit seinem mechanischen Greifärmchen jeden papierenen Lesestoff durch, der sich in seinen weißen Rahmen spannen lässt – und das, ohne sich den mechanischen Zeigefinger mit Spucke zu befeuchten!

Neudeutsch würde man sagen: Das Lesegerät ist kompatibel zu jeder Menge Content. Und wir Hipster haben wieder etwas Entscheidendes gelernt: Nicht jedes E-Book muss digital sein. Stefan Schmitt