Auch diese Woche haben wir uns wieder redlich bemüht, die Vorgänge in unserem Lieblingsbundesland ("Wir können alles – außer Politik") ernst zu nehmen. Ehrlich. Doch dann verkünden die Grünen (7,5 Prozent bei der letzten Landtagswahl), es täte Hessen gut, wenn der nächste Ministerpräsident Tarek Al-Wazir hieße. Und der Versuch der Linkspartei, in Flörsheim eine Landesliste aufzustellen, mündet in einer handfesten Rangelei. Schließlich lesen wir in einer renommierten Zeitung, der SPD-Spitzenkandidat setze sich von seiner Vorgängerin ab, nehmen die Zeitung untern Arm, betreten das Café Einstein in Berlin-Mitte – und stehen plötzlich am Tisch von Thorsten Schäfer-Gümbel und Andrea Ypsilanti. Ein Absetzungsfrühstück? Ein Brunch-Break? Der Dialog von Bratkartoffel und Rührei? Wie auch immer. Der Versuch des Ernstnehmens ist wieder mal gescheitert. Womöglich bleibt einem Bühnenschreiber nichts anderes übrig, als die hessische Politik als Abfolge von Shakespeare-Komödien zu verstehen. Auf die Komödie der Irrungen (Nein/Ja zu einem Linksbündnis), folgte der Sommernachtstraum (Ypsilanti wird Ministerpräsidentin), dann Viel Lärm um nichts (Ypsilanti wird nicht Ministerpräsidentin). Derzeit erleben wir Der Widerspenstigen Zähmung (Ypsilanti wird aus Ämtern gedrängt), und ob das hessische Shakespeare-Festival nun mit Verlor e ne Liebesmüh (Koch bleibt im Amt) oder mit Ende gut, alles gut (Hessen tritt Thüringen bei) schließt, ist noch offen. Wir empfehlen Letzteres. Schließlich gehört All’s well that ends well zu Shakespeares dark comedies. Peter Dausend

Hessische Bühne