Was für ein Theater! Europas politisches Spitzenpersonal schickt sich gerade an, seinen Verstand zu verlieren. Das wäre zwar nicht das erste Mal. Doch in diesem Fall droht der Verdummung ein Vorhaben zum Opfer zu fallen, das den Kern der Klimaschutzpolitik ausmacht: der Emissionshandel. Die Mitgliedsnationen der EU praktizieren ihn seit 2005 mehr schlecht als recht – und wollten seine Geburtsfehler jetzt eigentlich ausmerzen.

Eigentlich. Denn nach Lage der Dinge werden die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen Ende der Woche darauf verzichten. Nicht weil die Wirtschaftskrise Anlass dazu böte. Nein, viele von ihnen haben Angst vor der eigenen Courage bekommen, weil die Lobby der Klimasünder sie bombardiert hat – mit falschen Argumenten.

Das Instrument des Emissionshandels dient, richtig verwandt, nur einem Ziel: Es soll die volkswirtschaftlichen Kosten des Klimaschutzes gering halten. Dass viele Unternehmen dagegen Sturm laufen, ist Ausdruck des Versuchs, Partikularinteressen im Namen des Allgemeinwohls durchzusetzen. Mehr nicht.

Bisher hat der Emissionshandel vor allem eins bewirkt: Er hat die Stromkonzerne auf Kosten der Stromverbraucher um einige Milliarden Euro bereichert. Diese Bereicherung war indes nicht Ausdruck fehlender Managermoral, sondern die Konsequenz falscher Rahmensetzung. Statt alle Emissionszertifikate zu verkaufen oder zu versteigern, verschenkten die Politiker sie. Sie sorgten so nicht nur für überflüssige Bürokratie. Weil die verschenkten Papiere an der Börse gehandelt wurden, bekamen sie einen Marktpreis, der als Kostenfaktor in die Kalkulation der Energieerzeuger einging und den Strom teurer machte. Die Bürger wurden ärmer, E.on & Co. wurden reicher – dank der verkorksten Politik.