Damals: 1.5.1956

Freizeit! Welches Symbol wäre dafür besser als dieses Plakat des DGB für den 1. Mai 1956? Kürzer arbeiten – das war damals kein Wunsch der Arbeitgeber, sondern noch Gewerkschaftswille. Vierzig Stunden sollten reichen. Mehr als ein halbes Jahrhundert ist das her. Grace Kelly heiratete damals in Monaco ein, die Sowjets schickten Panzer nach Ungarn, die Deutschen klebten das "Notopfer Berlin" auf ihre Briefe, und in der BRD war (jedenfalls nach heutigen Kriterien) Vollbeschäftigung erreicht. Der Junge auf dem Poster ging mit seinem Vater über Berge und durch Täler der Konjunktur, in denen vierzig Stunden mal zu viel und mal zu wenig Arbeit waren. Im Rückblick liest sich so etwas rührend, weil man immer schon das Ende der Geschichte kennt. Der Ausgang des nächsten Konjunkturkapitels dagegen ist noch ungewiss. Vorsorglich (und angesichts mancher Voreiligkeit in diesen Tagen) möchten wir deshalb allen Bossen zurufen: Montags bis freitags gehört Vati euch! hsu

Fotos: ullstein; Brigitte Friedrich/SV-Bilderdienst (u.)