Klein ist sie, kompakt, mit einem Gesichtsausdruck, der jeden Gesprächspartner erst einmal den Kopf einziehen lässt.

Selbstverteidigung ist ihre Lebensstrategie – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Venantie Bisimwa stand auf schwarzen Listen und hat gelernt zu rennen. Sie musste vor Rebellen fliehen. Einen Trupp prügelnder Soldaten hat sie einmal nach fünf Kilometer Dauerlauf abgehängt. "Barfuß", sagt sie. "Ich hatte meine Schuhe verloren."

Vor über fünfzehn Jahren, zum Weltfrauentag am 8.März 1993, hat sie ihre erste Demonstration organisiert. Kongolesinnen, die lauthals und öffentlich auf ihre Rechte pochten, galten damals als "verrückt" oder als "Schande für Mann und Familie". Was als langsamer, beharrlicher Kampf um Gleichberechtigung begann, endete jäh ein Jahr später. Der Genozid 1994 im benachbarten Ruanda riss auch den Kongo geradewegs in den Abgrund und in zwei Kriege, an deren Folgen bislang über vier Millionen Menschen gestorben sind.

Venantie Bisimwa, verheiratet und Mutter dreier Kinder, leitet heute das Frauennetzwerk zur Verteidigung des Rechts und des Friedens in Bukavu, Hauptstadt der Provinz Süd-Kivu. Sie hat bei Landkonflikten vermittelt, wohl wissend, wie schnell ein Streit um Felder zum ethnisch aufgeladenen Minikrieg eskalieren kann. Sie dokumentiert Verbrechen durch Armee, Rebellen und Bürgermilizen, was im Kongo ein lebensgefährliches Geschäft ist. Vor allem betreut sie vergewaltigte Frauen. Nicht, weil sie sexuelle Gewalt für schlimmer hielte als andere Verbrechen, sondern weil diese "die Gemeinschaft so radikal zerstört". Die Täter sind Soldaten, Rebellen, Demobilisierte, Männer in Flüchtlingscamps; Männer aus der eigenen Nachbarschaft oder Familie. "Wir sind eine völlig traumatisierte und brutalisierte Gesellschaft geworden."

Demonstrantinnen sind auf Bukavus Straßen keine Seltenheit mehr. Der 51-jährigen Bisimwa sind solche Proteste inzwischen ein bisschen zu brav. Seit drei Jahren trainiert sie Jiu-Jitsu. Gegen ein Dutzend Bewaffnete helfe das natürlich wenig, aber gegen einzelne Angreifer schon, sagt sie und zählt die Angriffspunkte auf: "Augen, Nase, Geschlechtsteile, Knie."

Inzwischen organisiert Bisimwa Selbstverteidigungskurse, manchmal auch in den Dörfern. Dass Frauen eben nicht nur Opfer sind, dass sie sich wehren und gegen einen Mann die Hand erheben, ist im Kongo immer noch eine unerhörte Vorstellung. "Aber unsere Kurse werden voller." Andrea Böhm

Dai Qing ist so etwas wie die Vorreiterin der chinesischen Umweltschutzbewegung. Inzwischen widmen sich in China viele Gruppen dem Naturschutz, regierungsnahe wie unabhängige. Die Regierung gewährt ihnen mehr Freiheiten als anderen Aktivisten, schließlich gilt Umweltschutz mittlerweile als Staatsziel.