Angst, sagt Klaus Thoma, sei nicht seine Sache. "Übertriebenes Schutzbedürfnis ist für mich ein Zeichen von Schwäche. Das mag ich nicht." Entspannt sitzt der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Kurzzeitdynamik am Besprechungstisch seines Büros, und man glaubt ihm, dass er sich nicht so schnell fürchtet.

Doch so unaufgeregt die Stimmung im Arbeitszimmer des höflichen 59-Jährigen in diesem ruhigen Freiburger Wohnviertel auch ist: Die Forschung, die der Physiker von seinem Schreibtisch aus koordiniert, ist hochexplosiv. Klaus Thoma ist der Architekt der deutschen Sicherheitsforschung, das Freiburger Büro dessen inoffizielle Zentrale.

Seine Mitarbeiter erforschen, wie Wohnhäuser, Munitionslager oder Botschaftsgebäude bombensicher, zivile Autos crashtauglich und Militärfahrzeuge, Schiffe oder Flugzeuge kugelfest gemacht werden können. Mauerwerk wird zerbombt, Karosserieteile werden geschrottet. Zu Testzwecken. "Die Sprengungen machen wir nicht hier", sagt Thoma, dafür habe man spezielle Außengelände.

Früher arbeitete das Institut überwiegend für das Militär. Doch mit Ende des Kalten Kriegs musste es sich neu orientieren. Zwar gibt es weiterhin militärische Projekte, aber mehr und mehr dominiert die zivile Auftragsforschung. Gebäudeschutzspezialisten des Instituts beraten nicht mehr nur Bundeswehr und Ministerien, sondern auch Industrieunternehmen, wie man sichere Gebäude baut.

Die Fraunhofer-Gesellschaft macht inzwischen gute Geschäfte auf dem zivilen Sicherheitsmarkt. Umgekehrt sollen neue Technologien aus ziviler Forschung auch die Wehrtechnik stärken. Unter anderem um diesen Wissenstransfer zu fördern, gründete die Fraunhofer-Gesellschaft einen Forscherverbund zur Verheiratung der Verteidigungs- mit der Sicherheitsforschung. Dessen Sprecher: Klaus Thoma.

Dass Thoma den Doppelnutzen der Sicherheitsforschung früh erkannt hat, liegt an seiner Vergangenheit. In der Industrie, bei Messerschmidt-Bölkow-Blohm, sammelte er Erfahrungen in führenden Positionen. Heute lehrt er an der Universität der Bundeswehr in München. Beim Bund war er nie, aus gesundheitlichen Gründen.

Um scharf zu schießen, hat er heute eigene Leute, keine halbe Stunde von seinem Büro entfernt. In Efringen-Kirchen, einem kleinen Ort an der deutsch-schweizerischen Grenze, umgeben von Feldern und Weinbergen, werden Bombenanschläge simuliert. Vor der wuchtigen Wand eines alten Steinbruches liegt die Außenstelle von Thomas Institut, mit Werkstätten, Sprengplatz, Bunker. Wenn es richtig knallt hier, wird der Verkehr auf der nahen Bundesstraße gestoppt. Man weiß ja nie, wie weit Explosionsteile fliegen.

Heute ist alles still, fast gespenstisch. Die blauen Metalltüren zu den vielen Hallen, in denen Beschleunigungsapparaturen, Prüfanlagen und eine Sprengkammer untergebracht sind, bleiben geschlossen. Auch die Stoßrohr-Anlage ruht, ein monströses Testgerät von zwölf Metern Länge. Mit ihrer mannshohen Röhre lassen sich Fenster, Türen und andere Bauteile auf Druckbelastungen testen, die Detonationen von 100 bis 2500 Kilo TNT entsprechen in Abständen von 35 bis 50 Metern.