Um das Land aus der Krise zu führen, genügt schon ein kleines Stück Papier. Ein Scheck über 500 Euro, ausgestellt vom Finanzminister, unterschrieben von der Kanzlerin, gedeckt durch den Staatshaushalt der Bundesrepublik Deutschland. Jeder Bürger würde so einen Scheck bekommen. Jeder Greis genauso wie jedes Kind. Das Papier wäre nichts anderes als ein Einkaufsgutschein des Staates.

Die Menschen würden die Konsumtempel stürmen. Weil der private Konsum fast 60 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung ausmacht, wäre der Schub für die Konjunktur enorm. Zwar müsste der Staat kurzfristig rund 40 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Doch das sind weniger als zwei Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes, also gerade mal jene Größenordnung, die etwa die Europäische Union für ein wirksames Konjunkturpaket fordert. Außerdem würde der Bundeshaushalt – im Unterschied zu Steuersenkungen – nicht dauerhaft belastet.

Aber die Regierung sollte die Verteilung ihrer Einkaufsgutscheine an eine zusätzliche Bedingung knüpfen. Gutverdienende Bürger, die laut Statistik heute rund 20 Prozent ihres Einkommmens aufs Sparbuch legen, dürften die Schecks nur dann einlösen, wenn sie beim Einkaufen die gleiche Summe drauflegen. 1000 Euro für die Konjunktur! Bei Arbeitslosen und Geringverdienern wäre diese Auflage entbehrlich. Sie bekämen die Gutscheine einfach so, weil Mitnahmeeffekte bei ihnen nicht zu befürchten wären. Sie geben schon heute alles für ihren Lebensunterhalt aus. Das unverhoffte Geld vom Staat würde daher keine Anschaffung verdrängen, die ohnehin geplant war. Im Gegenteil: Gerade bei jungen Familien und Senioren beobachten Ökonomen seit Jahren einen regelrechten Konsumstau.

Das alles hört sich utopisch an? Für deutsche Ohren mag das stimmen, aber Konsumschecks – wie man die Einkaufsgutscheine auch nennt – werden international schon lange diskutiert. Sie sind eine Weiterentwicklung der amerikanischen Steuerschecks. In den USA gehört es zum Standardrepertoire jedes Finanzministers, die Bürger finanziell zu entlasten, wenn eine Rezession droht. Weil dieses Geld aber häufig genug auf dem Konto statt in der Ladenkasse landet, hat man die Idee der Einkaufsgutscheine entwickelt.

Konsumschecks erfüllen alle Anforderungen an ein modernes Konjunkturprogramm. Sie lassen sich schnell und unbürokratisch verschicken. Sie geben den Bürgern etwas Entscheidendes zurück – nämlich Zuversicht und Vertrauen. Und sie setzen an, wo die einzige Hoffnung auf einen Ausweg aus der Krise besteht: beim privaten Verbrauch.

Dieses Land hat ein Konsumproblem, und das hat es nicht von ungefähr. Deutschland ist die einzige Industrienation der Welt, in der die privaten Ausgaben beständig sinken. Wer wollte es den Bürgern auch verdenken? Jahrelang sind ihre Realeinkommen nicht gestiegen, sondern immer weiter gefallen. Das war wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Aber es war Gift für die Zuversicht der Menschen. Es fehlte, was Ökonomen "die Reformdividende" nennen: Zwar verzichteten die Arbeitnehmer auf Lohn, als es den Firmen schlecht ging. Doch als die Konjunktur wieder ansprang, profitierten sie nicht. Erst erhöhte die Regierung die Mehrwertsteuer. Dann stiegen die Preise für Lebensmittel, Öl und Benzin. Nun, in der Rezession, kommt die Angst vor dem Jobverlust dazu.

Dabei ist die Kaufzurückhaltung der Deutschen nicht irgendein Problem. Sie ist zentral für unsere Exportnation, wenn weltweit alle Märkte gleichzeitig einbrechen und von den Ausfuhren – im Gegensatz zu früheren Krisen – keine Hilfe mehr kommt. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten sind wir auf uns allein gestellt. Auf unsere Fähigkeit, rasch zu handeln. Und darauf, dass endlich die Nachfrage im Inland wieder steigt.