Vater Staat schenkt Ihnen plötzlich einen 500-Euro-Schein. Würden Sie ihn aufs Sparkonto tragen oder pflichtgemäß, also konjunkturbelebend ausgeben? Kann deficit spending (vulgo: Schuldenmachen) die erschlaffende Nachfrage stärken? Das klassische Plädoyer für "Kraft durch Mäuse" hat Anfang dieses Jahres der frühere Finanzminister Larry Summers (unter Barack Obama Chef des amerikanischen Wirtschaftsrates) gehalten: "50 bis 75 Milliarden Dollar würden der Wirtschaftsleistung ein Prozent hinzufügen." Das heißt: Mit mageren 50 bis 75 Milliarden erzeugt der Staat ein Plus von 140 Milliarden.

Das ist zu schön, um wahr zu sein, obwohl es in Amerika seit 1975 ausprobiert wird. Inzwischen gibt es deshalb reichlich Daten und Erfahrungen. Zitieren wir als Erstes aus einer Studie, die das Congressional Budget Office, eine Art Bundesrechnungshof, im Januar 2008 veröffentlicht hat: "Die meisten Untersuchungen von einmaligen, zeitlich befristeten Steuererleichterungen (vulgo: Cash aus der Staatskasse) zeigen nur eine bescheidene Wirkung auf den privaten Verbrauch." Zum Beispiel die Steuerrückzahlung von 1975: "Nur 12 bis 14 Prozent wurden in dem Quartal ausgegeben, in dem die Auszahlung erfolgte."

Der Nobelpreis-Ökonom Milton Friedman hatte das vorausgesehen. Der Erfinder der "permanenten Einkommens-Hypothese" hatte festgestellt, dass Ausgaben nicht auf kurzfristiges Auf und Ab reagieren. Wer arbeitslos wird, hält seinen Lebensstandard vorerst mithilfe des Ersparten. Umgekehrt zeigt auch eine Einmalzahlung kaum Wirkung; der Verbrauch wächst erst dann, wenn etwa eine Lohnerhöhung das Einkommen auf lange Sicht steigert.

1975 wurden Schecks über 100 und 200 Dollar verschickt; danach meldeten Groß-Ökonomen wie Franco Modigliani (MIT) und Alan Blinder (Princeton), dass Friedman recht habe: Das Geld wird eher zurückgelegt oder in den Schuldenabbau gesteckt; der Konsum reagiert sehr träge.

Im Jahre 2001 war es wieder so weit. Als George W. Bush die Idee aufbrachte, grummelte sein Finanzminister Paul O’Neill: "Ich war 1975 dabei, und es hat einfach nicht funktioniert. Wenn wir den Verbrauch dauerhaft erhöhen wollen, müssen wir dauerhaft die Steuerlast der Leute verringern."

Doch der amerikanische Steinbrück irrte. Was 1975 ein Flop war, funktionierte wider Erwarten 2001. Und warum? Weil die Steuerschecks (300, 500 oder 600 Dollar, je nach Familienstand) eben nicht nur ein kurzes Feuerchen entzündeten, sondern einhergingen mit der größten Steuersenkung aller Zeiten: 1,35 Billionen Dollar, verteilt über zehn Jahre – mit einer jährlichen Entlastung von 135 Milliarden. Das renommierte Institut NBER meldete, die Haushalte hätten binnen drei Monaten nach Erhalt der Schecks zwischen 20 und 40 Prozent mehr für den Verbrauch ausgegeben. Die Moral von der Geschicht: Nur was lange währt, währt gut. Oder so: Ein Streichholz (die Einmalzahlung) wirkt nur, wenn es reichlich Feuerholz (dauerhafte Steuersenkung) gibt.

Die präziseste Messung kommt von den Professoren Christian Broda und Jonathan Parker. Im Juli haben 70 Millionen Amerikaner knapp 1000 Dollar bekommen. Was haben sie damit angestellt? Die beiden melden: "Die wöchentlichen Ausgaben eines Durchschnittshaushaltes stiegen in den ersten vier Wochen um 3,5 Prozent – und in der ersten Woche gar um sechs Prozent." Nicht sehr viel, möchte man meinen.