Der Metalldetektor piepst heftig, aber das stört den Sicherheitsmann nicht. Er winkt mich freundlich weiter. Wer sich einen Flug vom exklusiven Pariser Flughafen Le Bourget leisten kann, das sagt sein Grinsen, der darf auch laut piepsen. Vor dem beschaulichen Terminal wartet schon der Privatjet, eine blonde Stewardess kümmert sich um das Gepäck, ein fescher Pilot drückt einem zur Begrüßung die Hand, eine kleine Treppe führt hinauf in die Kabine der zweistrahligen Falcon 2000. Die Innenwände sind mit hellem Leder bespannt, Schränke, Tische und Bad mit lackiertem Wurzelholz verkleidet. Es gibt zehn dick gepolsterte Ledersessel, die ZEIT liegt aus, auch das Londoner Magazin Wallpaper, dessen Chefredakteur ebenfalls mitfliegt. Hier sitzt es sich bequemer als in dem Billigflieger, der mich von Berlin nach Paris gebracht hat.

Die Reise geht jetzt nach Merignac, das ist ein Flughafen bei Bordeaux, wo uns Norman Foster treffen will. Der Architekt mit den 1200 Angestellten hat viele spektakuläre Bauten entworfen, darunter das neue Elefantenhaus im Kopenhagener Zoo, das Londoner Wembley-Stadion und den Palast des Friedens und der Versöhnung in Astana, Kasachstan. Fosters Gestaltungsdrang scheint unerschöpflich und macht auch nicht vor Kloschüsseln halt; wer will, kann sich in einer kompletten Foster-Welt einrichten. Was allerdings noch dringend fehlte, war ein Flugzeug. Passend zu Wirtschaftskrise – einige große Foster-Projekte in Russland wurden gerade eingefroren – und Klimawandel hat der Brite jetzt also einen Privatjet gestaltet, exklusiv für die Firma Netjets.

Netjets ähnelt vom Prinzip her dem Carsharing: Statt eines eigenen Privatjets kauft man sich bei Netjets einen Anteil an einem Flugzeug und erwirbt damit das Recht, es für eine bestimmte Anzahl von Stunden zu benutzen. Mit Netjets können sich auch Millionäre Jets leisten, die sich sonst nur Milliardäre kaufen. Die neue von Lord Norman Foster gestaltete Falcon 7X etwa.

Die kostet knapp 47 Millionen Euro, kann von London nonstop nach Los Angeles fliegen und wird in Merignac von dem Flugzeughersteller Dassault zusammengebaut, die ersten beiden Exemplare sind gerade fertig geworden. Da Dassault auch Kampfjets herstellt, ist das Werksgelände militärisches Sperrgebiet. Auf dem Weg in den Hangar begleiten uns mit bunten Krawatten ausstaffierte Sicherheitsmänner, die nicht grinsen. Bevor wir den Flieger von Norman Foster sehen dürfen, führt uns ein zuvorkommender Dassault-Manager noch schnell in einen Präsentationsraum. Er zeigt einen kurzen Film, dessen Soundtrack an Rambo III erinnert. Raubkatzen jagen Gazellen durch die Savanne, Falken stürzen sich gen Boden. Offensichtlich geht es um die Wettbewerbsfähigkeit des Flugzeugherstellers.

Und dann dürfen wir endlich in die große Halle, Dutzende von Maschinen stehen dort in unterschiedlichen Fertigungsgraden. Am Ende der Halle ein roter Teppich, dahinter glitzert ein weißer Jet, den ein breiter dunkelblauer Streifen in Bullaugenhöhe ziert. Der Architekt steht zufrieden davor, er trägt einen schwarzen Rollkragenpullover unter dem grauen Anzug, so wie es sich für seine Zunft ziemt.

Und was ist nun das Besondere am neuen Foster-Jet? Von außen ist er so klassisch elegant, wie Düsenflugzeuge nun mal aussehen. Foster hatte nur die Bemalung zu verantworten, an der Form durfte er nichts verändern. Und im Inneren? Die Kabinenwände sind mit Leder bespannt, die Einrichtung ist mit totlackiertem Holz furniert, es gibt ein gutes Dutzend dick gepolsterter Ledersessel. Keine Überraschungen für Privatflieger also. Anders als bei der Maschine, mit der wir kamen, hat Foster allerdings perforiertes Leder verarbeiten lassen und ein etwas helleres Holz gewählt, Bergahorn nämlich. Und man kann die Kopfstützen in den Sitzen versenken. Der Chefredakteur von Wallpaper zeigt sich begeistert.

Andere Geschäftsflugzeuge, so der passionierte Pilot Foster, erinnerten an Würstchen. Hier hingegen gebe es viel Raum. Er demonstriert, wie man das Crewklo benutzt. Wie vertragen sich seine Projekte zum Klimawandel, etwa die CO₂-neutrale Stadt Masdar, mit diesem Jet? Das sei ein sehr effizientes Flugzeug, sagt er. Und erzählt dann noch von dem Auto, das Mussolini für seine Freundin hat bauen lassen.