"Die Krise ist echt und bösartig", stellt Josef Joffe in seinem Artikel Koste es, was es wolle (ZEIT Nr. 49/08) richtig fest. Und diese Krise muss bekämpft werden. Mit einem umfassenden Konjunkturprogramm, schlägt der Autor vor. Werfen wir also die Geldpresse an, schicken den Bürgern Geschenke in Scheckform und senken die Mehrwertsteuer? Bei so viel Großzügigkeit muss es jedem Linken warm ums Herz werden. Und wie die Linken muss sich auch Herr Joffe fragen lassen: Wer zahlt die Rechnung? Der Weihnachtsmann wohl kaum.

Wir, die Steuerzahler, auch nicht – schließlich sollen wir mehr Geld ausgeben, um die Konjunktur anzukurbeln. Bleibt also nur der Steuerzahler von morgen: unsere Kinder und Enkel. Nun kann man sich sicher auf den Standpunkt stellen, es ginge nicht anders. Und schließlich verschwindet das Geld ja nicht: Für Geld erhält man Gegenleistungen. Die besagten Schecks zum Beispiel. Oder Steuersenkungen. Oder den Geländewagen, für den jetzt zwei Jahre lang keine Kfz-Steuer mehr gezahlt werden muss. Da trifft es sich gut, dass auch der Ölpreis gerade wieder schön niedrig ist.

Langfristige Investitionen aber, etwa in den Klimaschutz, Bildung oder Infrastruktur, werden abgelehnt: Wozu auch? Langfristig sind wir alle tot! Das ist unzweifelhaft richtig. Und doch ebenso falsch: Wenn die Deutschen weiterhin Häuser mit dünnen Wänden bauen, schwere Spritfresser zum Spazieren ausführen und größere, ausstoßreichere Kohlekraftwerke bauen, dann wird sich die Klimaerwärmung weiter beschleunigen. Die Folgen treffen aber nicht uns (denn wir sind ja dann ohnehin tot, nicht wahr?) sondern die nachfolgenden Generationen. Keine Belastung für uns, dafür die doppelte für unsere Kinder. Eine sehr einfache Rechnung.

Was also tun? Wir können Investitionen mit Blick auf die Zukunft tätigen, selbst ein wenig kürzer treten und so im Idealfall allen helfen. Oder wir machen uns schöne Weihnachten und lassen die Zukunft Zukunft sein. Nach uns die Sintflut! Dass man so handeln kann, haben uns bereits die amerikanischen Banken bewiesen.

David Yang, 18, ist Student in Heidelberg

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