Ein Jahrhundertbuch ist angekündigt. Wir hatten bereits Gelegenheit, einen Blick in dieses epochale Werk zu werfen. Es hat sich der unlösbaren Aufgabe gestellt, einer der größten Politikerinnen der Zweiten Republik in ihrer wahren Größe gerecht zu werden: Elisabeth Gehrer. "Erst durch sie wurde der Begriff des offenen Museums Realität", würdigt der kritische und analytische Text etwa die Kulturpolitikerin. Oder über die Bildungsreformerin heißt es: "Sie bewies, dass nur jemand für ein Ministeramt taugt, der weiß, was es bedeutet, überfordert zu sein." In einem eindrucksvollen Event soll nun der Band im edlen Ambiente der "Barocken Suiten" des Museumsquartiers präsentiert werden. Kein Geringerer als Wolfgang Schüssel wird an diesem Nachmittag jene Worte finden, nach denen der Anlass verlangt und die für einen Augenblick gewiss das gegenwärtige Koalitionselend vergessen machen werden. Überraschungsgäste werden ebenfalls erwartet: Franz Morak, der ein paar Sekunden lang alle Schlüsselpassagen rezitiert, Karl-Heinz Grasser, der nebenan in der Kunsthalle seine Kollektion bunter Boxershorts ausstellt, oder der raue Barde Willi Molterer, der seiner Wandergitarre die schmutzigen Akkorde einer Wende-Revival-Moritat entlockt. Der Höhepunkt bleibt aber dem Altkanzler vorbehalten: eine ganze Schweigestunde, man hört nur die Flötentöne, die Liesl Gehrers geschichtsmächtiger Biografie entströmen.

Der Band "Elisabeth Gehrer – Reportage eines politischen Lebens" wird am 15. Dezember tatsächlich von Wolfgang Schüssel im Wiener Museumsquartier vorgestellt