Erst die Affäre um den Ankauf von Steuersünderdaten, dann die Aufregung um deutsche Polizisten in Libyen, dazu der Skandal um abgefangene E-Mails einer Spiegel- Redakteurin – und jüngst die Kosovo-Affäre: Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) Ernst Uhrlau steht zum wiederholten Mal in diesem Jahr in der Kritik. Die Kosovo-Affäre hat dabei erneut gezeigt, wie isoliert Uhrlau an der Spitze des Geheimdienstes ist.

Dabei war die Affäre um drei BND-Mitarbeiter, die an einem Anschlag auf die Internationale Verwaltungsbehörde im Kosovo beteiligt gewesen sein sollen, im Wesentlichen keine Affäre des BND. Der eigentliche Skandal lag in Prishtinë, nicht in Pullach. Festnahme und Inhaftierung der Agenten wirkten wie ein Revanchefoul für deutliche Worte des Dienstes über die kriminelle Vergangenheit kosovarischer Führungspersonen. Dennoch steht Uhrlau jetzt in der Kritik. Warum?

Hochrangigen Mitarbeitern im Kanzleramt, möglicherweise aus dem Umfeld von Geheimdienstkoordinator Klaus-Dieter Fritsche (CSU), reichten Sticheleien aus dem BND aus, die Aufsichtsbehörde habe sich nicht genug für die Agenten eingesetzt. Anonym wurden daraufhin Zweifel an der Führungsfähigkeit des BND-Chefs gestreut. Von einem "Totalversagen" war die Rede. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl – auch er ein CSU-Mann –, verlangt vom sozialdemokratischen BND-Chef "Erklärungen". Danach, so Uhl, "wird man Konsequenzen ziehen müssen".

Parteipolitische Ranküne an der Spitze, das ist das eine. Das andere sind Quertreiber in den eigenen Reihen. Teile des BND versuchen offensichtlich, Uhrlau bewusst zu schaden. Der Präsident organisiert in diesem Jahr den Umbau des Dienstes und den anstehenden Umzug wichtiger Abteilungen nach Berlin. Dafür brauchte er eigentlich Rückhalt im eigenen Haus. Doch längst nicht alle Mitarbeiter unterstützen die Reform. Auch deshalb werden immer wieder Vorfälle publik, die mindestens mittelprächtige Aufreger sind.

So schwelt derzeit erneut eine Afghanistan-Affäre, diesmal hat der BND offensichtlich ein Büro der Welthungerhilfe ausgespäht. Noch ist offen, ob es eine plausible Erklärung für das Interesse an den mehr als 2000 E-Mails, Faxen und Telefonaten gibt.