Heute:05.12.2008

Auf alten Gemälden sahen die Streikführer noch heroisch aus. Erhobenen Hauptes und mit offener Hemdbrust traten sie dem Kapitalisten (erkennbar am Zylinder) entgegen, ballten drohend die Fäuste, wiesen mit weit ausgestrecktem Arm auf das Elend der Welt. Es war diese anklagende Vorwärtsgeste, die später von Tausenden Lenin-Statuen wiederholt werden sollte. Und heute? Die heroischen Zeiten sind vorbei, wenn man sich Abelino Gabina, Arturo Garcia und Heriberto Bernabe anschaut. Trotzig in der menschenleeren Werkhalle thronend, doch mit hängenden Schultern, resignierter Miene halten die Arbeiter einer Fensterfabrik in Chicago auf ihren Streikposten aus. Sie fordern nicht höhere Löhne, sondern Abfindungen; sie glauben nicht mehr an die Weltrevolution, nur noch an sanfte Stilllegung; sie sind tragische Helden in Zeiten der Farce. EF

Foto: Brian Kersey/AP