Das Auge der Kamera ist die Waffe der 36 iranischen Fotografen, die der Wahrheit zuliebe auf die Straße gegangen sind – auf Baustellen und Basare, über Holzbrücken bis zur kurdischen Grenze. Der junge Künstler Amirali Ghashemi zeigt lebenshungrige Altersgenossen beim Abhotten in Partykellern, doch weißelt er ihre Gesichter zum Schutz vor der Zensur. Seine älteren Kollegen begleiten spielende Kinder auf die verlassenen Schlachtfelder des Ersten Golfkriegs, fokussieren Fassadenstürmerinnen der Women’s Police Academy bei der Einsatzübung (unser Bild) oder verewigen das Leid der Mütter, die sich an die Fotos ihrer gefallenen Söhne klammern. Der Bildband Iranian Photography Now wagt den Blick in eine zerrissene Gesellschaft und schöpft daraus ein Höchstmaß an kreativer Energie. Die Fotografen stellen ihrem Land eine aufrichtige Liebeserklärung aus, in der Humor und Zärtlichkeit ebenso mitschwingen wie die Trauer über die verlorene Freiheit. CS

Rose Issa (Hrsg.): »Iranian Photography Now«. In englischer Sprache. Hatje Cantz, Ostfildern 2008; 236 S., 39,80 Euro

Blickfang

Foto: © Javad Montazeri »Women´s Police Academy« Teheran, 2005