Wie man Studenten richtig auswählt, zeigen amerikanische und englische Hochschulen

Die vornehmste Aufgabe einer Universität sei es, sich ihre Studenten selbst auszusuchen, so der frühere Präsident der Stanford University, Gerhard Casper. Harvard oder Oxford, Yale, Cambridge oder Princeton fanden die Idee, die Studenten zugeteilt zu bekommen, stets absurd. Große Zulassungsabteilungen sorgen in all diesen Unis dafür, dass die Besten aufgenommen werden – und dass deren Mischung stimmt. Das ist nicht einfach. Alison Richard, Vice Chancellor von Cambridge, sagt zum Thema Auswahl: "Bewerber zu bewerten ist hart, weil die Bewertung nicht nur ihre bisherigen Leistungen, sondern auch ihr Potenzial berücksichtigen muss. Und dann müssen wir eine Balance zwischen beidem finden. Der Zulassungsprozess ist eine Kunst, keine Wissenschaft."

Eine Kunst, von der man in Deutschland noch nicht viel versteht. Erst seit der Exzellenzinitiative befassen sich die Universitäten mit der Auswahl ihrer Studenten. Aber sie waren auf Ausleseverfahren schlecht vorbereitet. Jetzt bewerben sich die Studenten quer durch die Republik, manche gleich zwölfmal, und warten auf Antwort, ob sie denn nun einen Studienplatz bekommen. Die Verwaltungen, die schon zu Zeiten der ZVS, der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, stöhnten, werden der Papierflut nicht mehr Herr. In Hamburg kommen sieben Bewerber auf einen Platz, in Bonn gar acht. Die Hochschulen bleiben lange im Ungewissen, ob der Studienplatz, den sie zugestehen, denn auch angenommen wird. Konsequenz dieses Chaos ist, dass Nachrückverfahren sich nun in großer Zahl bis in die Vorlesungszeit hinziehen werden.

Deutsche Unis können mit ihrer neuen Freiheit noch nicht umgehen

Es zeigt sich, dass die Universitäten mit der Freiheit, die sie sich wünschten, gar nicht umgehen können. Auslese bedeutet nicht nur mehr Bürokratie, sie verlangt auch nach darauf vorbereiteten Spezialisten. Es reicht nicht, die Anzahl der Studienplätze in den einzelnen Fächern zu zählen, man sollte auch den interessanten Mix unter den Neuzugängen im Auge haben, um spannende Studienjahrgänge zu garantieren.

Da lohnt ein Blick auf das englische Modell und die amerikanischen Aufnahmeprozesse. Das englische Auswahlmodell nennt sich UCAS – Universities and Colleges Admissions Service. Es ist in Cheltenham beheimatet und ist gewissermaßen das aufgeräumte und effiziente Vorzimmer aller Universitäten im Vereinigten Königreich. Alle Studenten benutzen die gleichen vierseitigen Bewerbungsbögen, neben den üblichen Daten sind vor allem Empfehlungen von Lehrern und Persönlichkeiten wichtig sowie ein personal statement.

Jeder Bewerber wird hier geprüft, Benotungen aller Schulsysteme werden umgewandelt in verständliche Zensuren. Bewerber, die den Anforderungen nicht genügen oder die Unterlagen vergessen oder mangelhaft ausgefüllt haben, werden von UCAS aussortiert und darauf hingewiesen. Die Universitäten haben diesen bürokratischen Teil klug ausgegliedert.

UCAS hilft den zukünftigen Studenten aber auch, die Abertausenden Kurse, die die Unis anbieten, zu finden. Auf der Website (www.ucas.com) gibt es ausführliche Informationen. Und es werden Links zu allen Hochschulen bereitgestellt, wo sich der Neugierige durch alle Vorlesungen und Seminare klicken kann, um zu finden, was ihn interessiert. Erst wenn das Portfolio eines Kandidaten formal perfekt ist, wird es an die gewünschten Hochschulen – mehr als sechs Nennungen sind nicht möglich – weitergeleitet.