Sie saßen schweigend beim zweiten Herrgöttli. Eigentlich sollten sie nach Hause. Die anderen waren schon gegangen. Peti stierte finster ins Glas, weil er am nächsten Tag zum Zahnarzt musste. Chäschpi studierte einem gehässigen Elterngespräch nach (er hatte ADS gesagt, die Eltern Hochbegabung), und Franz blätterte mit dem gesunden Arm im Blick. Er wollte nicht damit rausrücken, was am anderen kaputt war.

Plötzlich sagte er in seiner bedächtigen Art: "Einsperren sollte man die Sausieche, den Führerschein verbrennen, die Karre verschrotten, und von mir aus kann man sie auch noch kastrieren." Nur das Zittern in seiner Stimme verriet die Erregung des Schreiners. "Wenn einer seine Hormone dermaßen nicht im Griff hat, gehört er abgeschafft."

Überrumpelt von diesem Ausbruch nickten sie. Wenn sich Chäschpi vorstellte, eines der Kinder seiner Klasse würde totgefahren… Man sollte den Hass nicht unterschätzen, den das Verantwortungsgefühl eines Lehrers entfachen kann. Trotzdem seufzte er matt: "Wenn das reichen würde."

"Oha, wird’s wieder kompliziert?", zog ihn Peti in einem schärferen Ton auf, als er wollte. Was sollte er machen? Er hatte nun mal eine tief sitzende Abneigung gegen jeden Zustand zwischen plus und minus. Eine verständliche déformation professionelle bei einem Elektriker. Chäschpi entschied sich für die Kurzversion seiner Gedankengänge und sagte: "Wenn man sie einsperren muss, ist es schon zu spät. Denen müsste man viel früher Grenzen setzen." – "Das sagt grad der Rechte", staunte Peti, "das ist doch dein Job?"

"An der Schule haben wir sie ja im Griff. Aber sonst geht es zu lange, bis sie mal jemand in die Schranken weist. Wer hat sich denn noch dafür, den Jungen zu sagen, sie sollen leise sein? Ruft doch jeder grad die Polizei", erklärte er. "Und was soll das gegen das Rasen helfen?", fragte Franz bockig. "Du machst weniger Seich, wenn du weißt, dass dir einer auf die Finger schaut", sagte Chäschpi. Franz nickte zögerlich.

"Wir hatten so einen im Betrieb. Der Mirko. Hat dauernd Lämpe gha, Schlägerei hier, Schlägerei da", holte Peti aus. "Weil er mit der Tochter vom Chef zusammen war, hat der Chef gesagt, der Mirko könne bei uns die Lehre machen. Aber wenn er nur ein Mal eine Schlägerei habe, fliege er raus. Du, der hat den zweitbesten Lehrabschluss gemacht im Kanton."

"Genau das meine ich", sagte Chäschpi. Triumphierend schaute Peti in die Runde: "Dann hat er sich von der Tochter getrennt und wieder gschleglet. Der Chef hat ihn sofort gespickt." Chäschpi war zu müde zum Streiten. Also bestellte er drei Williams. Für Franz, weil das Leben unverbesserlich war, für Peti wegen dem Zahnarzt und für sich, weil er jetzt wirklich nach Hause sollte. Silvano Cerutti