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Gleich der Anfang gehört dem Gekeife und Gekläffe. Zwei aufs Edelste geschirrte Hündchen zicken sich auf der Park Avenue an. Dann öffnen sich die Pforten zu einem Terrain, das die weibliche Mehrzahl des Publikums im Jahr 1939 in dieser Preisklasse wohl nur aus den Illustrierten kennt. Die Kamera mäandert durch das verschachtelte Universum eines gigantischen New Yorker Schönheitssalons, vorbei an Massagetischen, auf denen reiche Schreckschrauben liegen. Hier feuern sie ihre Pointen aufeinander und prahlen mit jüngsten Intrigen. Die Kamera wandert weiter, vorbei an stöhnenden und schwatzenden Damen auf Gymnastikmatten, vorbei an Fuß- und Handpflege-Kundinnen, die den läppischen Alltagsweisheiten der Maniküre lauschen. Man lästert und fährt die perfekt gefeilten Krallen aus. "Dschungelrot" ist die Farbe der Saison.

Was hat George Cukors Film The Women, diese zweistündige Tour de Force durch die weibliche Streit- und Versorgungspolitik der dreißiger Jahre, unsterblich gemacht? Es ist das Loblied, das Cukor aller Niedertracht und allen Zickereien zum Trotz auf seine Frauen singt. Auf den Schauwert ihrer Nervenzusammenbrüche. Auf die Stärke, mit der sie ihre Lektionen lernen. Und auf ihre Solidarität, die sie trotz aller Gemeinheit am Ende doch verschwistert. Die Filme des ersten women’s director zählen zu den schönsten Screwballkomödien der Traumfabrik. Es sind perfekt gefilmte Oberflächen, auf denen die Figuren wie unaufhörlich heranrollende Wellen alles in Bewegung halten. Cukor probte jede noch so kleine Geste wie ein Besessener und sorgt mit kleinen Galanterien für die größtmögliche Harmonie am Set. Was bei The Women ein Kunststück für sich gewesen sein dürfte. Schließlich galt es, 135 Frauen (und keinen einzigen Mann) vor der Kamera zu dirigieren, darunter alle Diven, die zu dieser Zeit bei Metro Goldwyn Mayer unter Vertrag waren. Norma Shearer, Joan Fontaine, Rosalind Russell, Paulette Godard – und Joan Crawford, die eine diebische Freude daran gehabt haben soll, nervöse Mitspielerinnen bei Nahaufnahmen mit dem Geklapper ihrer Stricknadeln aus dem Konzept zu bringen.

Warum sollte man dieses epochale Werk noch einmal verfilmen? Die Produzentin und Autorin Diane English hat es getan, mit Meg Ryan, Annette Benning und Eva Mendes in den Hauptrollen (der Film kommt in dieser Woche in die deutschen Kinos). Doch beim Umtopfen des Stoffes in die Gegenwart entstand ein ungemein spießiges Gebilde, in dem eine kulleräugige Meg Ryan in wechselnden Kleidchen trällert, dass ihr Mann "irgendetwas mit Derivaten" arbeite. Gemeinsam mit ihren Freundinnen organisiert sie eine Hexenjagd auf die Geliebte des Gatten: Die "Parfümspritzerin", wie die ebenso schöne wie vergleichsweise harmlose Verkäuferin (Eva Mendes) von der Horde rachsüchtiger Zicken beschimpft wird, soll nach allen Regeln gesellschaftlicher Schmähungen ans Kreuz genagelt werden. Im doppelbödigen Original buhlt hingegen die eine oder andere Verräterin um deren Aufmerksamkeit. Auch in Sachen Emanzipation fällt das Remake, dem es an Biss, Bosheit und auch nur dem kleinsten Ansatz zur Gesellschaftssatire mangelt, weit hinter die dreißiger Jahre zurück. Gut, dass es das Original auf DVD gibt.

George Cukor: Die Frauen (Warner, 128 Min.)

Foto (Ausschnitt): album/akg-images