hörbuch

So sollten Hörbücher öfter sein: kritisch, politisch. Nicht immer noch eine Erzählung und noch eine. Deshalb hier: Gerechtigkeit für eine Sozialreportage, die Deutschland erschrecken müsste. Astrid Matthiae, Hamburger Journalistin, geht auf den Markt. Sie hat nicht nur den Korb dabei. Sie hat Augen und Ohren offen – und hört Schlimmes: Der deutsche Wochenmarkt ist in Gefahr!

Nicht nur im flachen Norddeutschland, wo die Agrarfabriken sich eher breitmachen können als in den hügeligen, kleinteiligen Landschaften des Südens. Es droht ein Verlust von frischer, ökologisch angebauter Ware und die seit Jahrhunderten bewährte – persönliche – Beziehung von Bauer und Esser, Produzent und Konsument. Schlimmer: ein Unglück für das Zusammenleben von Menschen in überschaubaren Gemeinschaften, also ein Debakel für die Demokratie.

Frau M. geht an Bord, wenn’s sein muss. In Mauretanien zerstört die EU mit riesigen, von unserem Steuergeld bezahlten Fischfabriken auf Schiffen Umwelt und heimische Kultur? Frau M. hat es dokumentiert, ohne dass auch nur die Grünen aufgewacht wären. Früher ruderte ein Fischer raus, holte seinen Fisch. Jetzt gibt es dort keinen Fisch mehr. Wo droht Ähnliches jetzt? In Deutschland. Kleinbauern, die bisher ihre Felder hinter dem Hof bepflanzt haben, werden von Großfirmen aufgekauft. Kein Gespräch am Marktstand. Nur noch Warenverkehr, für Kleinstädte wie Eckernförde, wo Frau M. unterwegs war, ein Verlust an Lebensqualität. Dieses Hörbuch ist ein Schrei, wir sollten ihn hören. Rolf Michaelis

Astrid Matthiae: Vielfalt von ganz nah

privat zu beziehen: astridmatthiae@gmx.de

Foto: ©Astrid Matthiae, Hamburg 2008