Die Tage, in denen Deutschland das Rettungspaket für seine Banken schnürte, in denen Regierungen in aller Welt die größten Brände im Finanzsystem löschten – es waren besondere Tage. Topmanager warfen alte Grundsätze über Bord. Politiker jeder Couleur ließen Reflexe hinter sich, von denen wir Bürger dachten, sie wären ihnen für alle Zeiten in Fleisch und Blut übergegangen. Beamte zimmerten Gesetze, die man ihnen zuvor nie zugetraut hätte. Parlamentarier verabschiedeten binnen Tagen, was sonst Monate gedauert, nein, was sonst nie den Hauch einer Chance gehabt hätte. Länder, die zuvor tief zerstritten waren, stimmten sich international ab.

Jene Zeiten, die wir normal zu nennen pflegten, schienen Jahre zurückzuliegen, und doch waren es nur wenige Tage und Wochen.

Jene Zeiten scheinen zurück. Schneller als gedacht. »Dann sah Montag zu, wie der Staub sich setzte und eine große Stille sich auf ihre Welt herabsenkte«, heißt es in Ray Bradburys Buch Fahrenheit 451. Die Stille – sie währte nur kurz.

Zuerst kamen die schrillen Töne. Im Oktober schämte sich Josef Ackermann. Peter Sodann, Präsidentschaftskandidat der Linken, wünschte Ackermann in Haft zu sehen. Und Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut in München sagte, dass deutsche Manager Sündenböcke seien wie einst die Juden im »Dritten Reich«. Es folgten die Schuldzuweisungen. Das Gerede von der »Gier der Banker«. Die Hinweise von Managern auf Versäumnisse von Aufsehern und Regierungen. Am Ende stand der Rückzug auf alte Frontlinien: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die Banken verhielten sich »wie Kaltblüter im Winter – sie bewegen sich nicht«; bei den Banken selbst ist Murren wieder en vogue, ja, selbst die Warnungen vor zu viel Regulierung sind schon wieder zurückgekehrt. Chapeau!

Welch traurige Debatte. »Nicht satisfaktionsfähig«, so hätte man zahlreiche Akteure in früheren Epochen genannt. Kaum sind die Tage der allerhöchsten Not vorbei, greifen sie wieder auf die üblichen Sprachschablonen und Denkmuster zurück. Zusammen drohen alle Lager damit zu verspielen, was die Finanzkrise an Gutem barg – und immer noch birgt. Für einen Moment war der Blick auf unser Gegenüber ein neuer, denn unsere Augen hatten in den Abgrund gesehen.

Die Finanzkrise ist auch ein Moment der Demut. Der Befreiung. Sie birgt die Chance, die eingefahrenen Muster im Diskurs und im Verhalten hinter uns zu lassen. Eigentlich.

»Nicht mit dem Finger auf andere zeigen«, mahnt der Präsident