Es gibt immer Menschen, die in und an Krisen Geld verdienen, aber sehr selten sind es so kreuzbrave Leute wie jene gar nicht gierigen Sparer, die ihr Geld in den vergangenen Jahren in biederen Bundesanleihen angelegt haben. Sie halfen mit ihren Ersparnissen, das Staatsdefizit zu finanzieren. Und jetzt gehören sie auf einmal zu den Gewinnern auf den Finanzmärkten.

Der Grund: Die Kurse der alten Anleihen sind kräftig gestiegen, denn diese Papiere bringen höhere Zinsen als jene, die der Bund neu ausgibt. Das macht sie wertvoller. Mit Euro-Staatsanleihen haben Anleger seit Jahresbeginn im Schnitt eine Rendite aus Zinsen und Kursgewinnen von sieben Prozent erzielt. Wer langlaufende Papiere in seinem Depot hatte, kam auf fast zehn Prozent.

Derzeit strömt extrem viel Geld in die sicheren Staatstitel. Viele Anleger haben finanziell Federn gelassen und sind nun vorsichtig geworden. Die große Nachfrage drückt den Zins. Am Donnerstag vergangener Woche ist die (aufs Jahr gerechnete) Rendite für neue Bundesanleihen zum ersten Mal deutlich unter drei Prozent gefallen. Der Rutsch zeigt, dass die Geldanleger sich derzeit keine Sorgen wegen einer Inflation machen. Je stärker sich die deutsche und die globale Wirtschaft abkühlen, desto geringer ist die Gefahr steigender Preise.

Zugleich fürchten viele Bürger, dass all die Milliarden, die nun zur Bankenstabilisierung und für Konjunkturprogramme mobilisiert werden, mit der Banknotenpresse hergestellt werden. Eine drastische Geldentwertung wäre dann irgendwann unausweichlich.

Doch das ist nicht der Fall. Denn erstens machen die Scheine nur einen sehr kleinen Teil des umlaufenden Geldes aus, das meiste sind mehr oder weniger virtuelle Guthaben auf Konten. Zweitens kann die Europäische Zentralbank dem System jederzeit wieder Geld entziehen, wenn sie das wegen der Inflationsgefahr für notwendig halten sollte. Und drittens leiht weder sie noch die Bundesbank dem Staat direkt Geld, er muss es sich selbst durch die Ausgabe von Anleihen auf dem Kapitalmarkt besorgen. Das fällt dem Finanzminister aktuell leicht, die Anleger drängen ihm ihr Geld geradezu auf. Bedenklich ist, dass die neue Begeisterung für Staatsanleihen zu Lasten der Unternehmen geht. Für Firmenanleihen geben die Sparer derzeit kaum Geld her. rüdiger Jungbluth