Nachdem der französische Präsident vor einer Woche im nordfranzösischen Douai sein Konjunkturprogramm verkündet hatte, stimmte er die Marseillaise an. Sie sollte dem Volk, den versammelten Notablen und vielleicht auch ihm selbst Mut einflößen. Begonnen hatte Nicolas Sarkozy seine Rede mit den Worten: "Wenn sie die Krise dereinst hinter sich lässt, wird die Welt von morgen grundlegend anders sein als die von gestern." Das war recht allgemein, aber es war gut.

Zwischen gestern und morgen liegt allerdings das Heute, und das ist konkret und nicht so gut.

Da wäre zum Beispiel die Sache mit den Kutteln. Es gibt Feinschmecker, die gerne Kutteln essen. Eine Minderheit, auch in Frankreich. Doch im Oktober wurden 15 Prozent mehr Kutteln verkauft als im Vorjahresmonat. Warum? Hatte es eine "Esst mehr Kutteln"-Kampagne gegeben? Kutteln-Verlagsbeilagen in großen Zeitungen? Hatte Sarkozy zum Äußersten gegriffen und öffentlich –?

Aber nein. Kutteln sind billig, das ist alles. Umfragen zufolge sparen die französischen Konsumenten beim Essen. Ebenso beim Trinken: In den Bistros, berichten die Kellner, würden weniger Mineralwasser und Kaffee bestellt als früher. Ausgerechnet. Wo das doch die Gewinnbringer sind. "Es ist Weihnachten, seien wir verrückt!", mit diesen Worten wirbt die Supermarktkette Monoprix. Doch der Verbraucher tippt sich an die Stirn.

Erstmals seit gut zweieinhalb Jahren steigt die Arbeitslosigkeit wieder, allein im Oktober um 46.900 Personen; die Quote liegt bei 7,7 Prozent. Was Wunder, dass in einer Umfrage vom November 66 Prozent angaben, sie hätten am meisten Angst vor dem Verlust ihres Jobs.

Die Zahl der Pleiten wird den traurigen Rekord von 1993 (62.000) vermutlich übertreffen. Große Firmen wie Renault, Peugeot, Toyota, General Motors, Goodyear oder Michelin haben Kurzarbeit angeordnet. Bittere Weihnacht. Einer kürzlich erschienenen Studie zufolge werden die Franzosen in diesem Jahr 6,7 Prozent weniger für Weihnachtsgeschenke ausgeben als im Jahr zuvor. Nützliches überwiegt: 43 Prozent werden Geld, 38 Prozent Textilien und 37 Prozent Geschenkgutscheine einwickeln. Und ein Drittel schenkt gar nichts.

"Depression" ist ein Wort aus der Psychologie und leider auch aus den Wirtschaftswissenschaften. Folglich muss die Politik Mut zusprechen. Womit man wieder in Douai wäre.