Mit den Sponti-Sprüchen der frühen siebziger Jahre die Welt im Jahr 2008 erklären zu wollen scheitert eigentlich allein schon daran, dass die Welt heute viel radikaler ist, als es die Spontis je waren. Wer etwa Macht kaputt, was euch kaputt macht nun endlich in die Tat umsetzen will, stellt erstaunt fest, dass all das, was einen kaputt macht, sich selbst gerade kaputt gemacht hat. Der Turbo-Kapitalismus durch seine Gier. Der FC Bayern München durch den Neid seines Managers auf einen Dorfclub. Hessen ist anders. Dort, in der Heimaterde von Unter dem Pflaster liegt der Strand , findet sich nichts Passenderes, das landeseigene Phänomen Thorsten Schäfer-Gümbel zu erklären, als der Geist einer Zeit, in der Auf deutschem Boden nie wieder ein Joint ausgehen durfte. Du hast keine Chance, also nutze sie : Kaum ein Artikel, kaum ein Kommentar, kaum eine Glosse über den SPD-Spitzenkandidaten, die ohne diese klokachelverzierende Spontaneität von gestern auskämen. Und Schäfer-Gümbel nutzt, was er nicht hat. Von seiner Mentorin Ypsilanti hat er sich emanzipiert, von seinem Marionettenimage befreit, von seiner Brille getrennt. Mit Erfolg. In Umfragen ist er in der Ministerpräsidenten-Präferenz auf beachtliche 34 Prozent geklettert (41 für den Amtsinhaber Roland Koch), in der Beliebtheit landet er gar knapp vor seinem CDU-Konkurrenten. Geht das so weiter, kann sich Koch für den 18. Januar, den Wahltag, schon mal spontane Worte zurechtlegen, etwa an seinen Koalitionswunschpartner Jörg-Uwe Hahn von der FDP. Wie wär’s denn mit: Ich geh kaputt – gehst du mit ? Peter Dausend