Auf dem Panzer einer Schildkröte reisen vier Elefanten durchs All. Sie tragen eine mächtige Platte auf ihren Rücken – die Scheibenwelt. In dieser Welt feiert die Zahnfee mit Werwölfen, nehmen zwergenhafte Polizisten riesige Trolle fest, und der Tod gerät in eine Sinnkrise. Ausgedacht hat sich das alles Terry Pratchett. Seit einem Vierteljahrhundert schreibt er über die Scheibenwelt, erfindet Helden und aberwitzige Handlungen.

Seine Figuren sind so seltsam wie der Zauberer Rincewind, der vor allem wegläuft: ein echter Hasenfuß, der von einer Truhe mit Tausenden Beinen begleitet wird. Auch der Bibliothekar ist ein skurriler Typ: Er hat ein orangefarbenes Fell und eine große Vorliebe für Bananen. Bei einem Magieunfall verwandelte sich der Bibliotheksleiter der Unsichtbaren Universität nämlich in einen Orang-Utan.

Der 60-jährige Pratchett besitzt eine unbändige Fantasie. Auf Deutsch erschienen bislang 46 Romane, dazu kommen Comics, ein Kochbuch, Kalender und Lexika. Sein feiner britischer Humor kommt überall auf der Welt an: In 34 Sprachen sind seine Bücher übersetzt, mehr als 60 Millionen hat er verkauft. Seine erste Kurzgeschichte veröffentlichte Pratchett im Alter von 13 Jahren in einer Schülerzeitung. 1983 erschien das erste Buch über die Scheibenwelt. Wenige Jahre später kündigte Pratchett seinen Job als Pressesprecher eines Atomkonzerns und arbeitete ausschließlich als Schriftsteller. Wegen einer Alzheimer-Erkrankung publiziert er heute weniger.

Pratchetts Geschichten haben oft einen historischen Kern. Über die Riesenschildkröte, die durchs All schwebt, las er bereits als Neunjähriger in einem Buch über Sagen. Auch Elefanten, die eine Welt schultern, kommen in asiatischen Mythen vor. Der Rattenfänger von Hameln und andere volkstümliche Geschichten dienten ihm als Inspiration für sein erstes Märchen Maurice, der Kater. Pratchett wurde für das Buch in Großbritannien mit der Carnegie Medal ausgezeichnet. Vier Universitäten ernannten den Autor außerdem zum Ehrenprofessor, und die Queen verlieh ihm den Titel Officer of the Order of the British Empire.

Wie die britische Königin mag Pratchett Tiere – nicht nur als Romanfiguren, sondern auch im echten Leben. Er spendet immer wieder Geld für Tierschutzprojekte. Auch seine Leser bindet er dafür ein, auf Versteigerungen können sie um eine besondere Ehre bieten: Wer am meisten zahlt, dessen Name wird von Pratchett im nächsten Scheibenwelt-Roman erwähnt. Das Geld geht an eine Stiftung für Orang-Utans.