Es war ein Datenskandal zu viel. Handynummern gefällig? Privatadressen? Telefonanschlüsse? All das war auf dem Schwarzmarkt zu haben, monatelang, millionenfach. Aber nichts geschah. Erst jetzt, da auch noch Millionen Bankdaten illegal gehandelt werden, erwacht Berlin. In diesen Tagen läuft der Politikbetrieb an, Kabinettsberatungen inklusive, um so schnell wie möglich zu retten, was nicht mehr zu retten ist: den Datenschutz.

Hoch komplex ist nun das eilige Vorhaben, Daten einerseits wirtschaftlich nutzbar zu machen, andererseits den Missbrauch zu verhindern. Ein ordentliches Gesetz lässt sich nicht über Nacht schreiben und in ein paar Wochen durch die Instanzen peitschen. Es ist zwar löblich, nun endlich über neue Kompetenzen für Datenschützer nachzudenken und diese auch gesetzlich zu verankern – aber was sollen sie eigentlich noch schützen? Sensible Informationen über einen Großteil der Bevölkerung sind längst im Umlauf.

Es ist wie mit dem Wasser eines Stausees, das nach einem Dammbruch ins Tal strömt. Man kann zwar einen neuen Damm errichten, aber das ausgelaufene Wasser ist weg. Einmal geklaute Daten sind schlicht im Umlauf – irgendjemand hat immer noch eine Kopie. Längst sind zudem illegale Daten mit jenen vermischt, die sich legal etwa bei Google Earth, im Telefonbuch oder in diversen Online-Fotosammlungen finden. Zusammen ergeben sie ein Puzzlebild der Bundesbürger, das man kaum wieder auseinandernehmen kann.

Mit den Folgen müssen sich die Betroffenen abfinden, es sei denn, sie nähmen eine neue Identität an. Der Gesetzgeber kann nur vorsorgen – und etwa jede Firma, die Daten sammelt, zu einer Vertragsstrafe gegenüber geschädigten Kunden verpflichten. Das motiviert die Firmen, ihre Daten besser zu hüten. Und entschädigt das Opfer finanziell für den Fall, dass sie es nicht tun. Marcus Rohwetter