Anders als Herr Joffe begrüße ich die Äußerungen der Bundeskanzlerin und des Finanzministers zur gegenwärtigen Krise. Wie jede Krise bietet auch diese neben der Möglichkeit, in den alten Mustern und Strukturen unverändert weiterzuwurschteln, die Chance, angesichts drohender Gefahren einen längst überfälligen Entwicklungssprung in den Köpfen der Menschen zu befördern: mit Kant gesprochen "das Heraustreten des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit".

Die Zyniker lasse ich jetzt mal rechts und links liegen, wenn ich behaupte: gerade jetzt sind immer mehr Menschen dabei aufzuwachen; sie brauchen keinen "Vater Staat" mehr, der sie mit "Heile, heile Segen..." an den Monstern vorbei in den Schlaf hineintröstet.

Julia Jacobs, Kiel

Der Weckruf für die Bundesregierung ist richtig. Während der kommende US-amerikanische Präsident Barack Obama die Krise zu einer Chance macht und beispielsweise kräftige Investitionen in öffentliche Bildung ankündigt, herrscht in Berlin gähnende inhaltliche Leere. Das Fehlen von positiven Signalen, ohne die eine Aufbruchstimmung unmöglich ist. Niemand verlangt, eine negative Situation schönzureden. Nur muss sich Politik gerade in schwierigen Zeiten große Ziele setzen, mit denen sie den Menschen Mut machen kann. Kneift sie vor dieser Herausforderung, verliert sie ihre Gestaltungsmacht und Existenzberechtigung!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg