Die Frage: Karla hat Johann vor wenigen Jahren kennengelernt. Er ist ehrgeizig und gut in seinem Job in einer Agentur. Die beiden sind zusammengezogen. Was Karla nicht bedacht hatte, ist, dass sie auch mit Johanns Blackberry zusammengezogen ist. Ständig kündet das Gerät von neuer Post, und ständig schaut Johann nach und antwortet sofort. Auch wenn die beiden gerade zusammen essen, ausgehen – sogar, wenn sie im Bett liegen. Wenn er nicht mit dem Gerät beschäftigt ist, guckt er entweder fern oder liest Zeitungen. Ständig ist er dabei, sich mit Nachrichten zu berieseln. Johann merkt, wie seine Freundin das stört, und meint, sie solle Verständnis für seinen Job haben. Karla sieht das anders. Sie glaubt: "Du beschäftigst dich mit all diesen Nachrichten und E-Mails, um dich nicht mit unserer Beziehung beschäftigen zu müssen."

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Ich kenne gute Beziehungen, in denen es üblich ist, dass beide abends vor getrennten Fernsehern sitzen, sie wie er mit einem Sandwich und einem Glas Wein. Um miteinander auszukommen, muss man sich liebevoll loslassen können und gerne besuchen. Es gibt nichts Anstrengenderes, als ständig das Ein und Alles zu sein. Aber da Johann nicht hellhörig wird, wenn seine Karla ein Notsignal sendet, hat sie vielleicht damit recht, dass er sich mit aller Welt vernetzt, um nicht mit ihr reden zu müssen. Dann könnte der Blackberry und der Nachrichtenkanal die Tarnung für eine heimliche Liebschaft oder für ein nicht eingestandenes Desinteresse an Karla sein. Als Johann noch um seine Freundin werben musste, hat er es ja auch geschafft, den Blackberry abzuschalten.

Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten, von ihm erschien u.a. "Das Mobbing in der Liebe", Gütersloher Verlagshaus

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Welchen Problemen Wolfgang Schmidbauer in seiner täglichen Praxis begegnet, erzählt er im Interview mit ZEIT ONLINE.