Mit hübschen Adjektiven verziert man sich bei der Max-Planck-Gesellschaft gern. "Exzellent", "hochqualifiziert" und "wettbewerbsfähig" sei sie, ist im Selbstporträt einer der größten deutschen Forschungsorganisationen zu lesen. Um dies möglichst vielen Menschen verständlich zu machen, geben die Max-Plancker viermal im Jahr die Zeitschrift MaxPlanckForschung heraus. Liebevoll protokollieren die Redakteure die Arbeit in der Gesellschaft und setzen zudem in jedem Heft einen aktuellen Schwerpunkt, der sich nicht nur mit Formeln, Molekülen und Strukturen beschäftigt, sondern hin und wieder auch mit internationaler Forschungspolitik.

Das Titelthema der aktuellen Ausgabe ist China. Doch während die Autoren im Innern des Magazins mit den Zuständen im Land ins Gericht gehen und die Schwierigkeiten der globalen Kooperation beschreiben, ist den Layoutern entgangen, dass die chinesischen Schriftzeichen auf der Hochglanztitelseite einen delikaten Inhalt haben. In schillernden Adjektiven wirbt die Forschungsorganisation dort – allerdings für ein Freudenhaus in Hongkong. Wer Altchinesisch lesen kann, erfährt, dass die Gesellschaft "kokette, charmante, elegante und hinreißende Frauen" anbiete. "Junge, heiße Hausfrauen" seien ebenso im Programm wie "nette Showgirls" und "Mädchen für den Vormittag".

Seit sich chinesische Gastwissenschaftler an den Max-Planck-Instituten über die Aufmachung beschwerten, wird in der Münchner Generalverwaltung in den vergangenen Tagen kräftig zurückgerudert: In einer Rundmail an alle chinesischen Mitarbeiter zeigt sich die Redaktion zerknirscht. Man habe das Thema nur symbolisch illustrieren wollen und den Inhalt der Schriftzeichen prüfen lassen, versichert die Pressestelle. Der beauftragten Sinologin habe sich die subtile Sprachebene des altchinesischen Textes allerdings nicht erschlossen. Das Cover ist inzwischen geändert, und die noch verfügbaren Exemplare der Zeitschrift wurden geschreddert.

Das internationale Image der Münchner Zentrale ist dennoch angeknackst: Spottmails machen die Runde, und das Originalcover bringt auch in China Wissenschaftler zum Lachen und Weinen über eine deutsche Forschungsinstitution, die von sich selbst gern behauptet, im In- und Ausland ein enormes Ansehen zu genießen. In den Augen der gekränkten chinesischen Gastforscher hat die Münchner Verwaltung nun neben "exzellent, hochqualifiziert und wettbewerbsfähig" mindestens ein Adjektiv dazugewonnen: tollpatschig.