Ich hatte eine Lesung in Wien. In Wien gab es ein Literaturfestival. Als ich im Hotel ankam, einem bekannten Künstlerhotel angeblich, fragte die Frau an der Rezeption: "Raucher oder Nichtraucher?" Ich hatte, wegen eines bronchialen Infekts, seit neun Tagen nicht mehr geraucht, ich glaube, diesmal schaffe ich es mit dem Absprung, echt.

In dem Nichtraucherzimmer fiel mir als Erstes der große Aschenbecher auf, der auf dem Nachttisch stand. Neben dem Aschenbecher lag ein Zettel. Sinngemäß stand auf dem Zettel, gewiss, dies sei ein Nichtraucherzimmer. Für alle Fälle stelle man trotzdem einen Aschenbecher zur Verfügung. Es gibt Menschen, die ein Nichtraucherzimmer buchen, und dann haben sie einen Rückfall, dann rauchen sie halt trotzdem, dazu brauchen sie einen Aschenbecher. Wer diesen Aschenbecher hier benutzen wolle, könne dies gern tun, es koste aber 200 Euro Strafe.

Da bekam ich Kopfschmerzen. Ich rief in der Rezeption an. Ob sie wohl ein, nein, besser zwei Aspirin für mich hätten. Die Frau an der Rezeption sagte: "Klar, ich habe hier Aspirin, jede Menge. Aber ich gebe Ihnen das nicht. Wenn Sie das Aspirin nicht vertragen und kriegen einen allergischen Schock, und, nur so als Beispiel, Sie sterben, dann sind wir verantwortlich, dann haben wir die ganzen Kosten am Bein."

Ich schrie: "Aspirin ist das Medikament mit den geringsten Nebenwirkungen, ich habe schon zehntausend Mal Aspirin genommen! Die Chance, dass ich an einer Aspirin sterbe, ist eins zu hunderttausend Trilliarden, du sadistische, faschistische Künstlerhotelschnepfe! Ihr Österreicher seid auch an Hitler schuld!"

Das mit der Schnepfe und Hitler habe ich nicht gesagt, leider. Die Frau sagte: "Ich habe meine Vorschriften." Ich fragte: "Wo ist die nächste Apotheke, Schätzchen?" Sie antwortete: "Am Wochenende sind die Apotheken bei uns eh zu. Die Notfallapotheke liegt im 193. Bezirk, am Plattensee. Gute Reise dorthin."

Da habe ich Yoga gemacht. Ich habe mich auf alle viere niedergelassen, ich habe den Hund und den Sonnengruß gemacht und dabei unablässig Verwünschungen gegen das österreichische Künstlerhotelwesen ausgestoßen. Das Yoga hat geholfen. Die Kopfschmerzen gingen weg. Auf dem Weg zu der Lesung musste ich in der Hotellobby noch mal auf die Toilette. Auf der Toilette habe ich kurz über das Erlebte nachgedacht. Nach sechzig Sekunden ging in der Toilette automatisch das Licht aus. Keine Möglichkeit, es wieder anzuschalten. Wenn ein Künstler einen schwierigen Stuhlgang hat, dann wollen sie nicht die Verantwortung und die Kosten dafür übernehmen.

Am nächsten Tag schlug ich die aus der Schweiz stammende, in Österreich viel gelesene Wochenzeitung Weltwoche auf. Dort hat Henryk M. Broder eine Kolumne. Immer wenn ich in der Schweiz oder in Österreich bin, lese ich die Broder-Kolumne. Sie heißt Die Deutschen und läuft, zumindest wenn ich sie lese, immer auf die Pointe hinaus, dass die Deutschen unverbesserliche Nazis, Volltrottel und Antisemiten sind.